Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek
Ärztlicher Direktor des Anton Proksch Instituts

Das Burnout wurde bereits in den 70er Jahren erstmals erwähnt und vom Psychiater und Psychoanalytiker Herbert Freudenberger geprägt, der selbst an der Krankheit litt. Er zeichnete ein Krankheitsbild, was von Leistungsverlust, Überforderung bis hin zur Erschöpfung und abweisender Haltung gegenüber anderen geprägt ist. „Das Burnout muss in seinem Endstadium als schwere Krankheit angesehen werden, welche eine Behandlung erfordert“, sagt Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts in Wien.


Ein Burnout beginnt meist unerkannt

Das Burnout beginne schleichend im Gesunden, so Musalek. Man sei müde und ausgelaugt, fühle sich überfordert von der Arbeit. Sowohl subjektiv als auch objektiv sei man weniger leistungsfähig und versuche, dies durch noch mehr Arbeit zu kompensieren. Zum Krankheitsbild gehört der soziale Rückzug und eine abweisende, zynische Haltung gegenüber anderen: „Die Entfremdung von sich selbst, aber auch von der Arbeit und den Kollegen ist typisch. Man fühlt sich nicht mehr zugehörig, sondern nur noch als funktionierendes Etwas“, sagt Musalek. Im fortgeschrittenen Stadium kommen dann schwere Schlafstörungen dazu, totale körperliche und psychische Erschöpfung, Depression, manchmal sogar bis hin zum Suizid.


Viel Arbeit und Probleme begünstigen die Symptome eines Burnout

„Das Burnout kann jeden treffen, der viel gearbeit hat. Man kann nicht ausbrennen, ohne dass man gebrannt hat“, konstatiert Musalek. Die Voraussetzungen dafür sind viel Arbeit, vor allem Arbeit über gesundes Maß hinaus. Häufig tritt das Burnout auch in Verbindung mit Beziehungsstörungen im Privaten auf. Der Betroffene sei nicht mehr in der Lage, sich zu regenerieren, er gerate von einem Kriegsschauplatz zum nächsten. Auch das Klima am Arbeitsplatz könne viel zum Burnout beitragen, meint Musalek. Wer Mobbing ausgesetzt sei oder seine eigenen Werte nicht in Einklang mit den Werten der Kollegen oder der Firma bringen könne, sei gefährdet.


Wann zur Burnout Therapie?

Weil das Burnout sehr schambesetzt ist, können viele Betroffene ihr Leiden nicht zugeben. „Diejenigen, die tatsächlich ein Burnout haben, gehen sehr spät in Behandlung. Sie fühlen sich unfähig und empfinden ihren Zustand als Schwäche. Und dann braucht es auf jeden Fall eine grundlegende Perspektivenveränderung und eine andere Lebensgestaltung“, sagt Michael Musalek und ergänzt: „Wer sich schützen will, sollte erstens für sich erkennen, dass er Freizeit und Regeneration braucht und lernen, sich diese Zeit auch zu nehmen.“ Zweitens schützten gute Beziehungen sehr stark vor einem Burnout, denn dadurch sei man nicht nur auf sich selbst bezogen. Drittens sollte man seine eigenen Belastungsgrenzen kennen und diese nicht überschreiten.