Unternehmen streben danach, mit immer weniger Personal immer höheren Output zu erzielen. Mitarbeiter müssen sich dieser Logik von Effizienz unterwerfen, wenn sie nicht aus dem Karriere-Track geschleudert werden wollen. Sie sollen es sportlich nehmen: höher, schneller, weiter. Der Unterschied von Arbeitswelt und Spitzensport ist allerdings gravierend: Spitzensportler wissen, dass sie nicht andauernd Höchstleistungen erbringen können, sondern nur in besonderen Situationen – in den entscheidenden Wettkämpfen. Mitarbeiter und Manager in der Arbeitswelt sollen dagegen pausenlos Höchstleister sein – mit immer weniger Ressourcen.

„Zu ändern ist der persönliche Arbeits- und Lebensstil. Verlangt ist eine radikale Umorientierung.“

Ständig soll Personal eingespart werden. Ständige Anpassung an steigende Aufgaben sollen Mitarbeiter und Manager als Herausforderung bejubeln. Sie sind ständig gefordert, müssen sich anpassen, weiterbilden. Ist ja durchaus gescheit – solange dabei auf ein gescheites Energie-Management geachtet wird. Jeder, der etwas leisten will und soll, muss ausreichend Gelegenheit finden, seine persönlichen Energien zu erneuern. Das ist mittlerweile aber immer seltener der Fall. Wer ständig brennt, brennt irgendwann aus. Unternehmen, die unter Druck stehen, geben den Druck weiter an ihre Mitarbeiter und Manager. Wenn sie ständig neue Projekte anschieben, wenn Umstrukturierung auf Umstrukturierung folgt.

Wenn zu beruflichen Herausforderungen eine Fülle privater Verpflichtungen kommt, verschärfen die Probleme sich rasant. Wenn Kinder, Partner oder Eltern pflegebedürftig sind, wenn auch zuhause immer etwas zu tun, zu bewältigen, zu erledigen ist. Dauerstress lässt keinen guten Schlaf mehr zu. Dann schwindet zunehmend die Energie – und mit ihr die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Dann geht es rasch ins Burnout.

Was ist der Zustand des Burnouts?

Burnout ist ein Zustand der Kraft- und Hilflosigkeit, der Hoffnungslosigkeit, der Unkonzentriertheit, des schleichenden Desinteresses an allem. Arbeiten kann man nicht, schlafen kann man nicht, sich ablenken kann man auch nicht. Erschöpft, überlastet und gelangweilt reagiert man zynisch und irritiert auf Menschen in der Nähe. Man geht hoffnungslos, motivationslos und ohne Emotionen an die Arbeit. Aufgaben werden immer langsamer erledigt. Trotzdem kommen Pausen nicht in Frage. Die Nacht ist quälend und bringt keine Erholung. Die Menschen um einen herum sind reine Energie- und Zeitfresser. Zuhören kann man schon lang nicht mehr.

Wen erwischt das Burnout und wer bleibt verschont?

Eher ins Burnout geraten Menschen, die sich selbst abwerten, nicht wichtig nehmen, nur die Nützlichkeit und die Leistung in den Vordergrund stellen. Perfektionisten sind besonders gefährdet - Menschen, die nie mit sich zufrieden sind, alles immer noch besser machen wollen, sich ständig selbst antreiben. Ebenso Menschen, die keine Hilfe annehmen können und persönliche Grenzen ignorieren. Weitere Risiko-Faktoren: Pausen zur vergeudeten Zeit zu erklären, sich nicht gesund zu ernähren und meinen, Schlaf durch Gewohnheit reduzieren zu können; dazu Muntermacher wie Energy Drinks, Adrenalin, Alkohol, Zigaretten. Damit wird alles nur schlimmer.

Wer kann Heilung erhoffen?

Gegen Burnout helfen keine Dopingmittel. Besseres Zeitmanagement reduziert nicht die Arbeit und verlängert nicht den Tag. Zu ändern ist der persönliche Arbeits- und Lebensstil. Verlangt ist eine radikale Umorientierung. Leitfragen, die dabei helfen: Wer könnte ich nach dem Irrsinn werden, der für sich den totalen Einsatz, die totale Kontrolle und die totale Geschwindigkeitssteigerung gefordert hat? Wer könnte ich sein, wenn ich mich frage, was macht das Leben für einen Sinn? Burnout kann ein Weckruf sein.