Prim. Prof. Dr. Dr. Dipl. Psych. Andreas Remmel
Dept. Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Dann wenden Sie sich vielleicht an einen Experten. Es könnte sich herausstellen, dass nur einige Regler defekt sind, es könnte aber auch der Motor insgesamt nicht mehr funktionieren. Und, neben der Überprüfung des Autos kommt es wohl auch auf den Fahrer und den Fahrstil an!

Wie jedes Bild, so hinkt natürlich auch dieses. Der Mensch ist keine Maschine, aber die Metapher kann uns verdeutlichen, worum es geht.

 

Was tun Sie, wenn Ihr Auto nicht mehr fährt?

„Burnout“ ist das Ergebnis einer chronischen Überlastung. Wir fahren zu lange zu hochtourig, ohne Service, mit Vollgas und wollen stets das Maximale aus uns herausholen. Dies kann unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist, auf Dauer schädigen. Der Prozess von Burnout kann zu Ängsten, Rückzug, Schlafstörungen, Depressionen, Kopfschmerzen, chronischen Schmerzsyndromen, Essstörungen, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, und anderen Verhaltensmustern führen.

Aber, es kann auch bereits bestimmte Anfälligkeitsfaktoren geben, die die Wahrscheinlichkeit solcher Symptome erhöhen: körperliche Beeinträchtigungen, übernommene Einstellungen und Muster, wie: „Du musst perfekt sein“, „Du musst Höchstleistungen erbringen“, eine innere Heimatlosigkeit, schwierige Beziehungserfahrungen, fehlende Wertschätzung und Geborgenheit, ein niedriges Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.

 

Was können wir tun, um ein Burnout zu verhindern?

So wie wir unser Auto regelmäßig überprüfen, tut uns auch eine „seelische, körperliche und geistige Inspektion“ gut. Die Förderung von Achtsamkeit im Alltag kann helfen, Seele, Körper und Geist bei der Arbeit zuzuschauen und wohlwollend zu überprüfen, zu welchen Leistungen wir fähig sind, zu welchen aber auch nicht.

So wie Verschleißteile bei einem Auto ausgetauscht werden, sind wir darauf angewiesen, unsere eigene Leistungsfähigkeit immer wieder zu erneuern: Ruhepausen, Erholung, Ausgleich, aber auch Erfahrungen von Sinn, Kreativität und Muße. Um seine Lebensdauer zu erhöhen, muss ich ein Auto auch einmal langsamer und untertouriger fahren.

 

Und was, wenn ein Burnout bereits eingetreten ist?

Dann ist eine genauere Inspektion erforderlich. So wie es keine Problemlösung ist, ein defektes Auto einfach nur stehen zu lassen, so hilft meist auch nicht ein einfacher Urlaub oder eine Auszeit. Es ist oft erforderlich, durch ärztliche Untersuchungen körperliche Beschwerden abzuklären, aber auch seelische und mentale Muster, Einstellungen und Erfahrungen zu überprüfen, um auch strukturelle Veränderungen erkennen und behandeln zu können.

Schließlich kann ein spezialisiertes Kompetenzzentrum die gute Gelegenheit bieten, nicht nur „Defekte zu reparieren“, sondern auch „die gemeinsame Geschichte von Fahrer und Auto“ bzw. „Fahrer, Fahrstil, Leistungsfähigkeit, Reparaturanfälligkeit, Fehlermeldungen und Reparaturbedürftigkeit“ zu verstehen, zu klären und ein geeigneteres und schonenderes Fahrverhalten zu entwickeln.