Dr. Bardia Monshi
Institut für Vitalpsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologe

Stress und Burnout sind die Pest unserer Zeit. Der arbeitende Mensch von heute wandelt offenbar auf einem Grat zwischen Aus-schöpfen und Er-schöpfen der eigenen Kraft. Manche freiwillig für ihr Bedürfnis nach persönlichem Wachstum, manche unfreiwillig, weil in Unternehmen immer weniger Menschen immer mehr leisten müssen. Smartphone & Co. sollen uns dabei helfen. Nur fordern all die technischen Hilfsmittel auch eine innere Entwicklung. Wir mussten z.B. früher nicht selbst entscheiden wann das TV-Programm zu Ende ist, irgendwann kam einfach die Bundeshymne. Wir mussten früher auch nicht so aktiv entscheiden, wann die Arbeit beendet ist, heute verfolgt uns diese bis an die Bettkante. Unsere Entscheidungskraft ist also gefordert und auch die Toleranz unserer ChefInnen & KollegInnen, dass wir diese Entscheidungen selbst treffen müssen.

Unter Stress verlieren wir uns selber

Die Tücke ist, dass ich für Entscheidungen wissen muss, wer ich sein will. Leider wissen wir Menschen unter Stress genau das immer weniger. Prof. Kuhl nennt diesen Effekt „Selbstinfiltration“, weil wir uns unter Stress von unserem eigenen Lebenssinn entfernen und empfänglicher für fremdgesetzte Ziele werden. Nach dem Motto: Wenn ich den Überblick verliere, folge ich jedem Wegweiser. Das Ergebnis ist dann mit Worten von Ödön von Horvath: „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.“ Laut einer US-Studie verzichten wir dementsprechend in Stresszeiten v. a. auf Schlaf, Sozialkontakte, Bewegung und Genusszeiten. Das sind alles zentrale Lebensinhalte für unsere psychische Gesundheit, die dann in einer Burnouttherapie wieder reanimiert werden sollen. Was Unternehmen also brauchen ist human(!)es Ressourcenmanagement und was wir brauchen, um nicht in das Hamsterrad zu geraten, ist eine gesunde Portion vitalen Ungehorsams.