In Ihren Vorträgen ziehen Sie Parallelen zu einem Abfahrtslauf – was haben ein stressiger Bürojob und der Spitzensport gemeinsam?

Jeder Mensch möchte mit dem, was er tut, Erfolg haben. Egal, ob er nun Berufssportler oder Angestellter, Verkäufer, Koch oder selbständig ist. Aber dafür ist grundsätzlich einmal ein gewisses Maß an Vorbereitung notwendig. Es muss eine Basis gelegt werden, auf der sich der weitere Erfolgsweg aufbauen kann. Dann spielen Komponenten wie Ehrgeiz, Einstellung zum Beruf, Motivation, Belastbarkeit, Kritikfähigkeit, Selbstvertrauen, der Umgang mit den eigenen Ängsten und Selbstzweifeln, Begeisterungsfähigkeit und noch einige mehr eine ganz wesentliche Rolle. Über allem steht aber für mich die Freude an dem, was ich tue. Damit bin ich auch belastbarer und belastbar zu sein, vielleicht mehr als der Mitbewerber oder der Konkurrent, kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.


Wie gehen Sie selbst mit stressigen Situationen um?

Ich versuche, Stress gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das Stressempfinden ist ja höchst subjektiv, denn was den einen unheimlich stresst, lässt den anderen vielleicht nicht einmal schneller atmen. Mir ist auch immer wichtig, für den nötigen Ausgleich zu sorgen. Ich habe gelernt, dass Sport ein hervorragendes Ventil ist, um Stress abzubauen bzw. Stress gering zu halten.


Ein Blick auf die Streif genügt für Gänsehaut. Welche Rolle spielt die Angst beim Erfolg und wie geht man mit ihr um?

Für mich selbst ist das Eingeständnis, Angst zu haben, grundsätzlich nichts Schlechtes. Angst zu haben gehört zum Leben dazu und lässt einen auch manchmal überleben – um es dramatisch auszudrücken. Für mich gibt es zwei Ansätze zum Thema Angst: Zum einen kann die Angst lähmen, so wie sich das Kaninchen vor der Schlange plötzlich nicht mehr rührt. Zum anderen kann die Angst aber auch aufmerksam werden lassen oder wachsam und aktiv halten. Das war meine Einstellung zu diesem Thema. Ich habe immer versucht, wachsam zu sein. Das war in meinem Sport gleichbedeutend mit gut vorbereitet, trainiert und bestens motiviert. Ich glaube aber auch, dass jeder für sich den richtigen Umgang mit der Angst finden muss. Eine allgemein gültige Formel zur Angstbewältigung gibt es nicht.


Job, Familie und Freizeit: Welche Tipps haben Sie für Menschen mit einem stressigen Alltag und hoher Belastungsintensität?

Sicher einmal den Mut zur Pause. Wie im Spitzensport kannst du nicht immer nur nehmen, du musst auch hin und wieder einmal dem Geist und dem Körper etwas geben. Die Ausgewogenheit zwischen Belastungs- und Entlastungsphasen ist im Sport der wesentliche Erfolgsfaktor. Das sollte er auch im „normalen“ Berufsleben sein.


Spitzensportler – Moderator – Vortragender: Was macht Ihnen besonders viel Spaß, was haben Sie jeweils aus diesen Lebensabschnitten mitgenommen?

Der Sport war für mich die beste Lebensschule, die ich absolvieren konnte. Nirgends lernt der Mensch mehr als im Leistungssport. Disziplin, der Umgang mit Konkurrenten, das Umgehen mit Sieg und Niederlage in jungen Jahren, Rückschläge, Erfolge, das Verfolgen von Zielen und noch vieles mehr haben mich in meiner Entwicklung stets begleitet. Aber über allem steht immer die Freude am Tun!

 

Sie arbeiten derzeit gleich in mehreren Jobs. Wie viel Disziplin braucht es in Ihrem Alltag? Wie überwindet man den „inneren Schweinehund“? 

Ich sage Ihnen ganz ehrlich, dass das nie ein Problem für mich war. Ich war seit meinem 10. Lebensjahr damit beschäftigt, den „inneren Schweinehund“ im Sinne des Sports  zu überwinden. Ich kenne es eigentlich nicht anders. Auf alle Fälle hilft stark ausgeprägter Ehrgeiz, genauso wie ein klar definiertes Ziel, das man erreichen will.

 

Dank Smartphone und Co. ist inzwischen jeder ständig erreichbar – wie handhaben Sie das? 

Einfach das Ding ausschalten! Ich denke mir oft, wie war denn das früher, ohne Handy? Schon super, dass wir das alles überlebt haben, oder?

 

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um? Wie motiviert man sich am besten neu?

Ich habe von 100 Weltcuprennen, die ich bestritten habe, vier gewonnen. Wie das mit dem Motivieren geht, habe ich in dieser Zeit ausreichend erfahren dürfen. Ich habe mir schlichtweg gedacht: „Jetzt erst recht, mein Freund!“ Und habe noch härter trainiert als zuvor.