Negative Informationen aus der Umwelt, Schlafmangel oder Angst beeinflussen die Informationsverarbeitung im Gehirn. Tinnitus als Alarmzeichen bei Burnout ist ein ernstzunehmendes Zeichen und vor allem ein Appell: Hören Sie auf Ihren Körper!

Alle Warnsignale, die unser Organismus sendet, sind im Grunde Maßnahmen zum Selbstschutz von Körper und Psyche. Tinnitus kann durch vielfältige Ursachen ausgelöst werden und wird in verschiedene Phasen gegliedert. Die Phasen des Tinnitus unterscheiden sich nach Dauer und Intensität des Ohrgeräusches.

Ein akuter Tinnitus, der im Zusammenhang mit einer Ohrerkrankung wie einer Mittelohrentzündung auftritt, legt sich meistens mit der Behandlung der Grunderkrankung. Der chronische Tinnitus dauert mehr als sechs Monate und ist ein Phänomen des Gehirnes, eine Art Phantomschmerz, und ist nicht mit Medikamenten behandelbar.

Der sichtbare Phantomschmerz

Tinnitus kann in unterschiedlicher Stärke auftreten und wird mit unterschiedlichem Leidensdruck wahrgenommen. Viele Menschen mit Ohrgeräuschen berichten, dass der Tinnitus lauter wird, wenn sie unter Stress stehen. Die zentrale Veränderung der Gehörrinde durch chronischen Tinnitus lässt sich durch bildgebende Verfahren nachweisen.

Tinnitus kann durch die krankhafte Synchronisation von Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns ausgelöst werden. Dies ist insbesondere bei mangelndem Input von außen, z. B. bei einer Schwerhörigkeit der Fall. Auch ständige Sorgen und das Gefühl nicht abschalten zu können, hinterlassen Spuren in unserem Gehirn.

Ein Umdenken im Umgang mit Tinnitus

Ob der Tinnitus die Auswirkung eines psychischen oder organischen Problems ist, sollte bei der Erstellung des richtigen Therapieplans unbedingt abgeklärt werden. Tritt ein Hörverlust mit damit verbundenem Ohrgeräusch auf, sollten sich die Betroffenen frühzeitig ein Hörgerät anpassen lassen. Ein entsprechend angepasstes Hörgerät kann allein durch den perfekten Ausgleich des Hörverlustes den Tinnitus ganz oder teilweise unterdrücken.

Es gibt auch die Möglichkeit der Kombinationsgeräte, bei dem das Hörgerät mit einem Noiser kombiniert wird. Dieser produziert ein Gegengeräusch zum Tinnitus, ähnlich klingend wie ein gleichförmiges, fernes Meeresrauschen, und lenkt die Hörwahrnehmung vom unangenehm pfeifenden Ton ab. Dieser tritt somit in den in den Hintergrund des Bewusstseins. Ein Tinnitus-Noiser wird häufig mit Bewältigungstraining, verhaltenstherapeutischen Maßnahmen und Entspannungstechniken kombiniert. Bei dieser umfassendenden Tinnitus-Retraining-Therapie lernen Betroffene schrittweise, die Ohrgeräusche als nicht mehr störend wahrzunehmen. Der oft noch gehörte Satz: „Damit werden Sie leben müssen!“ hat demnach heutzutage keine Gültigkeit mehr.