Ao Univ.- Prof. Dr. Maximilian Moser
Institutionsleiter am Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung

Optimale Schlafbedingungen

Was in der Schlafmedizin als sogenannte Schlafhygiene bezeichnet wird, umfasst im wesentlichen die Schlafbedingungen, die folgendermaßen optimiert werden können: Das Schlafzimmer sollte dunkel sein, ohne Energiesparlampen oder LEDs, deren Licht einen hohen Blauanteil hat – auch keine laufenden Fernsehbildschirme –, angenehm temperiert (ca. 18–20°) und gut gelüftet, aber ohne Zugluft sein, und natürlich sollte Ruhe im Schlafzimmer herrschen. Als Vorbereitung und Hilfe gegen den Alltagsstress haben sich Entspannungstechniken und Schlafrituale bewährt. Sie helfen, geeignete psychische Voraussetzungen für guten Schlaf zu schaffen.

Das biologische Schlafumfeld

Das Schlafumfeld, also Bettmaterial, Lattenrost, Matratzen, Bettdecke und Polster sollte die optimalen Bedingungen für einen guten Schlaf begünstigen. Es sind dabei gar nicht so wenige Dinge zu beachten, vieles davon wird durch die Materialwahl festgelegt. Der menschliche Organismus hat sich im Lauf von Jahrmillionen an bestimmte Materialien angepasst, mit denen er besonders gut umgehen kann. Das sind solche, mit denen wir aus der Natur vertraut sind: Holz, Naturtextilien, pflanzliche und tierische Fasern und Polstermaterialien, möglichst naturbelassen und ohne Pestizide, Konservierungsstoffe und künstliche Schönungsmittel. Also Leinen, Baumwolle, Wolle, Seide, Kokosfasern, auch Naturlatex und Kapok. Diese Materialien weisen ein hohes natürliches Wasseraufnahmevermögen auf, wesentlich größer als ihre chemischen Pendants wie Kaltschaum, Polyester und Polyacryl. Da wir im Schlaf beachtlich viel Wasser abgeben, ist dies eine ganz wichtige Voraussetzung für ein gutes, trockenes Schlafklima im Bett. Darüber hinaus entstehen Naturmaterialien weitgehend aus Wasser, CO2 und natürlicher Sonnenenergie, insbesondere die pflanzlichen Materialien, wenn sie in biologischer Landwirtschaft hergestellt werden. Im Gegensatz zu den Erdölprodukten, bei denen nicht erneuerbare Energie und gebundenes CO2 freigesetzt werden, sind Naturprodukte CO2-Senker: Sie binden CO2 für die Zeit ihrer Nutzung und verringern daher die Klimaerwärmung, was unter anderem eine Investition in ein auch zukünftig gutes Schlafklima ist.

Naturmaterialien sind nicht nur ökologisch von Vorteil

Auf Matratzen übertragen, sollte daher bereits beim Material eine Vorauswahl von Naturmaterialien, im Optimalfall aus biologischer Landwirtschaft, getroffen werden. Sehr einfach geht dies, wenn man bei Google oder noch besser Ekosia (eine ökologische Suchmaschine, die für jede Suchanfrage einen Baum in Regenwäldern pflanzt) die Begriffe „Matratze“ „Naturmaterialien“ und „biologische Landwirtschaft“ eingibt. Matratzen aus Naturmaterialien haben in den Tests von „Ökotest“ und auch  „Warentest“ jeweils die vorderen Ränge belegt. Biologisch zertifizierte Naturmaterialien gewährleisten auch, dass man im Schlafzimmer nicht von Giftstoffen umgeben ist, die in der Produktion oder Aufbereitung der Matratze eingebracht wurden. Da die meisten Wachstums- und Regenerationsvorgänge, mit der damit verbundenen Aktivierung der DNA im Zellkern, in der Nacht stattfinden und das Immunsystem auch besonders in dieser Zeit aktiv ist, gilt die Schlafenszeit als besonders empfindlich für chemische Einflüsse. Es empfiehlt sich daher, das Schlafzimmer als besonders giftarmen Raum zu konzipieren.

„Naturmaterialien sind im Wohn- und Schlafumfeld wie auch ökologisch synthetischen Produkten eindeutig überlegen. Sie gewährleisten, dass unser Schlaf gut und erholsam und unser Körper nicht damit beschäftigt ist, mit ungewohnten Stoffen fertig zu werden.“

Individuelle Auswahl

Da nicht jeder Mensch körperlich gleich gebaut ist, sollte die Matratze individuell ausgesucht werden. Dazu empfiehlt sich ein Probeliegen in einem oder mehreren qualifizierten Fachgeschäften, die entsprechende Matratzen führen. Geachtet werden sollte auf eine gleichmäßige und angenehme Unterstützung des Körpers durch Matratze und Kopfkissen in der bevorzugten Schlaflage. In Seitenlage sollten die Wirbelsäule und der Kopf dann möglichst in einer geraden Linie liegen. Auch der Geruch sollte angenehm sein und ist ein Indikator für Schadstoffe, wenn er unangenehm ist. Bei Tierhaarallergien hilft die Bevorzugung pflanzlicher Materialien wie Kapok oder Leinen. Allfällige Allergien sollten abgeklärt werden, wobei der bisherige Glaube, dass synthetische Materialien für Allergiker besser seien, sich nicht bestätigt hat.

You get what you pay for

Die Kosten einer guten Matratze sind eindeutig höher als die von Billigprodukten. Es gilt jedoch, wie meistens im Leben, die Regel „you get what you pay for“. Im Vergleich kostet eine gute Matratze auch nicht mehr als ein gutes Handy. Wenn man bedenkt, dass wir ein Drittel unseres Lebens im Bett verbringen, relativiert sich dieser Preis.