Univ.Prof.Dr. Gerhard Lenz
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin und ärztlicher Leiter des Zentrums für Seelische Gesundheit Leopoldau

Nach dem Motto „Reha vor Pension“ soll nun in Österreich gegen vorzeitige Pensionierungen mittels gezielter Rehabilitation gegengesteuert werden, dazu sind in den letzten Jahren in Österreich bundesweit neue Reha-Zentren entstanden. Ziel der medizinisch-psychiatrischen Rehabilitation ist es, die drohenden oder bereits manifesten Beeinträchtigungen der Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gesellschaft durch frühzeitige Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen abzuwenden, zu beseitigen oder zu mildern. Medizinische Reha kann als notwendige Vorstufe vor beruflichen Reha-Maßnahmen gesehen werden (bei denen eine ausreichende psychische Stabilität und berufsbezogene Motivation Voraussetzung ist), kann aber auch direkt zu einer beruflichen Tätigkeit führen.

Stationäre und ambulante medizinisch-psychiatrische Rehabilitation

In Österreich wurden 2002 die ersten stationären psychiatrischen Reha-Kliniken in Kärnten (Klagenfurt) und OÖ (Bad Hall) eröffnet, es folgten dann Reha-Kliniken in nahezu allen Bundesländern. Im September 2010 wurde in Wien das Zentrum für Seelische Gesundheit Leopoldau als erste ambulante psychiatrische Reha-Klinik eröffnet.

Die Argumente für eine ganztags-ambulante Reha sind: bessere Integration der Reha in den Alltag der PatientInnen, mehr Arbeitsorientierung durch die tägliche Fahrt von zu Hause in die Ambulanz, Übungsmöglichkeiten vor Ort bzw alltagsnahes Training, ein gesundheitsförderliches häusliches Umfeld soll genutzt werden, die Erfüllung nicht delegierbarer häuslicher Pflichten (Kinderbetreuung, Pflege von Familienmitgliedern,etc…) ist möglich, besseres Nahtstellenmanagement im Hinblick auf die ärztliche und/oder psychotherapeutische Weiterbetreuung oder Anbindung an andere weiterbetreuende Institutionen.

Eine stationäre Reha ist vor allem zur zeitlich befristeten Herauslösung aus einem belastenden Milieu sinnvoll oder auch wenn die tägliche Fahrt in die Ambulanz entfernungsmäßig oder aus Krankheitsgründen nicht zumutbar ist. Die Zuweisung zur ambulanten oder stationären Reha erfolgt durch Antrag auf Rehabilitation bei den zuständigen Sozialversicherungsträgern durch den behandelnden Arzt/Ärztin.

Berufliche Rehabilitation

Die berufliche Rehabilitation bietet Menschen mit körperlichen oder psychischen Behinderungen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können, vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten an: Berufsorientierung, Trainingsmaßnahmen, Umschulung, Arbeitsassistenz-Assistenz oder geschützte Arbeitsplätze. Die Arbeitsassistenz hingegen ist eine Beratung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen/Erkrankungen zur Erlangung und Sicherung von Arbeitsplätzen. Die Begleitung durch die Arbeitsassistenz beinhaltet Hilfestellungen zur Bewältigung der Anforderungen der beruflichen und sozialen Lebenswelt der Klientinnen.

Diskussion und Ausblick

Rehabilitation ist ein Modul in einer Kette von weitreichenden Maßnahmen in der Betreuung von Menschen mit psychischen Krankheiten. Es scheint allerdings so, dass das Versagen der Regelversorgung (zu wenig FachärztInnen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, zu wenig kassenfinanzierte Psychotherapieangebote, zu wenig stationäre oder teilstationäre Psychiatrisch-Psychotherapeutische Angebote in der Psychiatrie für Menschen mit schwereren posttraumatischen Belastungsstörungen, chronifizierten Angststörungen, chronischen Depressionen, somatoformen Schmerzstörungen, schweren Zwangstörungen und Psychosen, etc…) diese PatientInnen zunehmend zur Behandlung in die Reha-Kliniken verschiebt.