Mag.a Maria-Anna Pleischl
Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie

Fehlender Antrieb, Erschöpfungszustände und schließlich Arbeitsunfähigkeit: In unserer hektischen Leistungsgesellschaft betreffen stressassoziierte Erkrankungen immer mehr Menschen. „Menschen mit einem massiven Burnout oder schweren Depressionen, vielleicht sogar mit Suizidabsichten, brauchen in der Psychotherapie zuerst eine intensive Krisenintervention bevor die therapeutische Phase begonnen werden kann“, erklärt Mag.a Maria-Anna Pleischl, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie.

Psychische Rehabilitation hat neben der Wiederherstellung der Gesundheit den gelungenen Wiedereinstieg in den Alltag zum Ziel. Neben der Angst vor der Stigmatisierung „gestört zu sein“ müssen depressive Menschen vielfach Verhaltensweisen verändern, damit sie sich vor neuerlichen Zusammenbrüchen oder Burnout schützen können.


Medikamentöse Begleitung und Psychotherapie

Begleitend beginnt vor allem in schweren Fällen meist eine medikamentöse Therapie; Psychiater und Psychotherapeut sollten daher eng zusammenarbeiten. Antidepressiva helfen, das Leben des Patienten zu erleichtern, bis die Psychotherapie greift. Meist können sie nach vier bis sechs Monaten wieder abgesetzt werden. „Nach einem Klinikaufenthalt ist insbesonders die Nachbetreuung durch niedergelassene Psychotherapeuten wichtig“, meint Pleischl. Je nach Erkrankung kann die weiterführende Therapie noch ein bis zwei Jahre dauern, mit etwa einem Termin pro Woche. Wichtig ist es daher vor allem, einen Therapeuten zu finden, bei dem man sich wohl und gut aufgehoben fühlt.


Eine Psychotherapie ist nicht immer leicht

In Österreich sind 23 wissenschaftlich geprüfte Methoden zugelassen, von dieser Schulenvielfalt sollte man sich dennoch nicht verwirren lassen. „Die Entscheidung für einen Therapeuten sollte man nicht an der Methode, sondern an der Person festmachen“, so Pleischl. Meistens gibt es dafür eine so genannte Eingangsphase, in der sich Klient und Therapeut in drei bis vier Stunden kennenlernen. Dann wird gemeinsam darüber nachgedacht, ob die Beziehung passt. „Wenn die Beziehung stimmt, kommen die Klienten auch gerne regelmäßig. Einfach weil sie merken, wie gut es ihnen tut und wichtige Themen bearbeitet werden“, berichtet Pleischl. Auch wenn eine Psychotherapie nicht immer einfach ist. „Widerstände sind normal“, erklärt die Expertin. Denn sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen, kann nicht nur angenehm sein. „Darauf machen wir unsere Klienten auch aufmerksam. Wer über die eigenen Widerstände spricht, ist auch besser darauf vorbereitet und nicht überfordert.“