Chefarzt Prim. Dr. Georg Psota und Prim. Dr. Paul Kaufmann wissen, welche Auslöser zu Burnout und Depression führen, wie diese behandelt werden können und warum Therapie und Reha so wichtig sind.

„Burnout entsteht hauptsächlich durch eine Summe von Einzelbelastungen.“, sagt Prim. Dr. Kaufmann, ärztlicher Standortleiter des Sonnenpark Neusiedlersee. „Meist spielen das private und das berufliche Umfeld eine große Rolle. Wenn z.B. ein Angehöriger gepflegt werden muss oder man neben einer Vollzeitbeschäftigung Kinder betreut, kann das zu viel für eine Person werden.“ Depressionen hingegen brauchen nicht zwingendermaßen einen erkennbaren Auslöser. Zudem verläuft diese Krankheit in Phasen und kann mehrere Ursachen aufweisen. Problematische Situationen begünstigen aber den Ausbruch.

Wenn man nicht mehr kann

Das Frühstadium von Burnout ist meist eine normale Überlastungsreaktion. Man ist müde, gereizt, schläft schlecht und hat keine Lust mehr auf Freizeitaktivitäten. „In diesem Stadium ist es noch möglich, sich durch eine längere Auszeit zu regenerieren. Wenn man die Belastungen reduziert, werden noch keine weiteren Maßnahmen benötigt.“, so Dr. Psota, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie.„Wenn aber der Urlaub für eine Erholung nicht mehr reicht und keine Entspannung mehr gefunden werden kann, braucht es einen Krankenstand. Zudem sollte man auch Professionalisten, wie den Hausarzt und in weiterer Folge den Facharzt aufsuchen.“

Das Vollbild von Burnout zeigt sich durch totale Erschöpfung, oft begleitet von Panikattacken und Symp-tomen von Depression, obwohl manchmal keine Belastung mehr vorhanden ist. Ein einfacher Urlaub reicht hier nicht mehr aus und eine Auszeit, die länger als ein Jahr dauern kann, wird notwendig. Aus diesem Grund ist eine Behandlung im Frühstadium wichtig, um so bald wie möglich reagieren zu können.

Die Depression ist im Gegensatz dazu als komplexe Krankheit zu betrachten. Kraftlos, freudlos, antriebslos, schlaflos, etc.. Eine Änderung äußerer Umstände allein reicht hier ohne zusätzliche psychiatrische Behandlung nicht mehr aus.

Du musst dein Leben ändern

Um einen Burnout-Patienten erfolgreich zu behandeln, müssen belastende Situationen reduziert und der gegenwärtige Zustand analysiert werden. „Man muss sich fragen, welche problematischen inneren und äußeren Faktoren sich finden lassen. Oft liegt der Ursprung vom sogenannten Ausbrennen auch in der Kindheit. Das entstandene reduzierte Selbstwertgefühl wird in der Gegenwart oft durch eine zu hohe Leistungsbereitschaft kompensiert.“, meinen die Experten. Im institutionellen Kontext erwartet die Patienten ein multimodales Behandlungskonzept, bestehend aus medizinischen, sozialarbeiterischen, psycho-, ergo-, physio-, und kreativtherapeutischen Angeboten. Bei einer Depression kommt neben Psychotherapie auch eine psychopharmakologische, antidepressive Behandlung zur Anwendung. „Auch der Faktor Zeit darf nicht vergessen werden“, meint Dr. Kaufmann. Eine Reha dauert in der Regel sechs Wochen. „Und diese Zeit braucht es auch.“

Eine Auszeit vom Alltag

Eine Krankheit, die sich über Jahre aufbaut, kann aber nicht in sechs Wochen therapiert werden. „Aus diesem Grund schließen sich Therapie und Reha auch nicht aus.“, so Dr. Psota. Eine Reha sorgt für eine ausgewogene Verteilung von Freizeit, Erholung, therapeutischer Arbeit und medizinischer Betreuung. „In den sechs Wochen wird der Tagesablauf für die Patienten geregelt, damit sie wieder ihren eigenen Rhythmus finden. Eine Therapie reicht jedoch weit über die Zeit in der Reha hinaus und kann bis zu eineinhalb Jahre dauern.“, sagen die Experten.„In der Therapie ist es zudem wichtig, dass die Menschen wieder die Fähigkeit erlangen, sich selbst zu beruhigen und sich, wenn nötig, ihrer Kindheit zu stellen. Auch der Alltag muss besprochen werden, um diesen für die Zukunft sinnvoll zu ändern.“