Im Sinne der Konzepte der ganzheitlichen Medizin werden Menschen als strukturierte und nach außen offene Systeme gesehen, welche in wechselseitiger Beziehung zueinander, zur Gesamtheit und zur Außenwelt stehen. Dabei spielen verschiedenste Faktoren eine Rolle: die eigene Person, soziale, natürliche und künstliche Umwelt, sowie Religion und Glaube.

Zwei Strömungen

Grundsätzlich kann bei der ganzheitlichen Medizin zwischen zwei Ansätzen unterschieden werden – der holistischen und der pragmatischen Betrachtungsweise. Vertreter der Ersteren gehen davon aus, dass die Eigenschaften des Ganzen nicht durch die Eigenschaften der isolierten Teile erklärt werden können. Deshalb müssen Ganzheiten zur Erklärung komplexer Systeme herangezogen werden. Der Mensch wird also als bio-psycho-soziales Wesen angesehen. Beim pragmatischen Ansatz wird versucht mehrere Problembereiche und ihre Verknüpfungen zu sehen und zu verstehen. Eine einseitige Betonung einzelner Aspekte soll vermieden werden.

Der Holismus geht also von einem vorwissenschaftlichen, religiös-weltanschaulichen Menschenbild aus, die Pragmatik von Menschen als nicht-reduzierbare Einheit, die mit der Umwelt stark verflechtet ist. Erkenntnisse aus den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen kommen dabei zum Einsatz. Was die beiden Ansätze eint, ist der Gedanke, dass der Mensch ein offenes System und zu seiner Umwelt hin durchlässig ist.

Verschiedenste Methoden

Um im Sinne eines medizinisch ganzheitlichen Konzepts zu agieren, kommen ganz unterschiedliche Behandlungsmethoden zum Einsatz. Die Palette reicht von Akupunktur über Aroma- und Kneipp-Therapien bis zur Homöopathie.

Dabei geht es nicht immer ausschließlich um die Linderung körperlicher Beschwerden. Die verschiedenen Formen der Ganzheitsmedizin wirken sich auch positiv auf Menschen mit psychatrischen Erkrankungen aus – so zum Beispiel die Akupunktur. In ihrem Herkunftsland China wurde die Behandlungsmethode schon vor vielen Jahrhunderten bei psychischen Problemen der Patienten eingesetzt. Studien zeigen, dass Akupunktur eine echte Alternative zur Medikamentengabe ist, wenn es um Depressionen geht. Bei Menschen mit Angststörungen ist sie besonders wirkungsvoll.

Auch Aromatherapien sind Teil ganzheitlicher Medizin. Ihr positiver Einfluss bei Stresserkrankungen und Burnout ist schon länger bekannt. Dufteindrücke werden überwiegend unbewusst verarbeitet, ohne Verstand oder Willenskraft mit einzubeziehen. Dabei sprechen sie verschiedene physiologische Regelkreise des menschlichen Körpers an: Hormonausschüttung, Schlaf-Wachrhythmus, Blutdruck und Körpertemperatur.

Um etwa einem Burnout vorzubeugen, eignet sich die Kneipp-Therapie sehr gut. Diese arbeitet vorwiegend mit Reizen auf das vegetative Nervensystem. Dem Wesen des Menschen entsprechend werden Reize verabreicht, die die Regenerations- und Erholungsfähigkeit beeinflussen sollen. Das gleiche Ziel wird mit der Gabe von homöopathischen Mitteln verfolgt. Es wird versucht dem körperlichen Erschöpfungszustand entgegenzuwirken, damit ein Burnout erst gar nicht entstehen kann und die Einnahme von anderweitigen Medikamenten obsolet wird.