Harald Pachner
ist diplomierter Mental- & Selfnesstrainer und Trainer im steirischen Skiverband

Burnouts und Depressionen haben sich in den vergangenen Jahren vervierfacht und häufig werden die Symptome von den Betroffenen viel zu spät erkannt.

Burnout durch permanente Überforderung

„Absolute rund-um-die-Uhr Erreichbarkeit mit dem Smartphone, just-in-time-Kommunikation, aber vor allem die Perfektionierung der eigenen Idealvorstellung unseres Selbstbildes, sind es, die zu einem Burn Out führen können, erläutert Harald Pachner, CEO des Instituts für Gesundheitsberufe. Anstatt bei uns selbst zu sein, streben wir danach, das Wunschbild von KollegInnen, MitarbeiterInnen oder Vorgesetzten zu erfüllen, und machen es somit auf subtile Weise zu unserer eigenen Idealvorstellung von uns selbst. Das überfordert uns und kann uns „ausbrennen“ lassen", erläutert Pachner. Der ehemalige Junioren Vizeweltmeister im Super-G und Trainer des steierischen Skiverbandes erläutert, wie es zu einem Burnout kommen kann.

Für viele wird - durch die oben beschriebene Perfektionierung des Wunschbildes - Handeln nur noch Mittel zum Zweck. „Wir erledigen die anstehenden Dinge nur noch deswegen, um daraus einen Nutzen zu ziehen bzw um unser vorgestelltes Selbstbild zu perfektionieren und nicht der Sache wegen selbst: Nur allzu oft erledigen wir die Aufgaben, die uns gestellt werden, um später befördert zu werden oder um die Wunschvorstellung von einem Eigenheim mit Garten und Pool zu realisieren. Aus dieser versprechen wir uns widerum, dass sie uns glücklich macht und in weiterer Folge Qualitäten wie Ansehen oder innere Ruhe“, erläutert Pachner die Mechanismen. Wenn man stets nur Dinge tut, um von anderen anerkannt zu werden, macht man nichts für sich selbst. Wer stets die Anerkennung von Außen sucht, der wird sie nicht finden, weil dies eine Schraube ohne Ende ist. Immer ist man auf der Suche oder auf dem Weg zum nächsten Kick. Und diese Suche versteckt sich so gut, dass sie für den Betroffenen nur schwer wahrnehmbar ist.

Eigene Strukturen erkennen kann psychische Erkrankungen verhindern

„Wer die eigenen Strukturen erkannt hat und sich selbst gut reflektieren kann, der ist weitestgehend vor einem Burnout gefeit“, erläutert der Trainer. Allerdings würden die meisten Menschen dies erst merken, wenn es zu spät ist. Und auch wenn die ersten Symptome wie Müdigkeit oder Abgespannt-sein auftreten, denkt die überwiegende Zahl der Betroffenen vor allem zunächst einmal an eine organische Ursache und würden sich etwa Herz-Kreislauferkrankungen untersuchen lassen.

Neben einigen klassischen Übungen und Regeln– wie dem Delegieren von Arbeiten, einer realistischen Terminplanung, dem strikten Einhalten von Pausen (ohne zu telefonieren), gesundem Essen mit ausreichender Zeit und genug Schlaf– ist es für Pachner vor allem die Begegnung mit der Natur, die von Burnout bedrohte Menschen immer wahrsten Sinne des Wortes wieder erdet und ihnen die Anker verleiht, die sie benötigen, um den Alltag zu meistern. „Die Flora und Fauna tragen dazu bei. Da es in der Tier- und Pflanzenwelt scheinbar kein vorgestelltes Objekt ich gibt und sich dieses Bewusstsein anscheinend auch überträgt, ist sowohl das Beobachten, als auch das Interagieren mit Tieren und Pflanzen ein großartiges Geschenk.“