Prim. Dr.in Christa Radoš
Vorstand der Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin am LKH Villach

Entsprechend der WHO-Definition umfasst der Zustand der Gesundheit nicht nur das körperliche sondern auch das geistige und soziale Wohlbefinden. Dieses kann durch Erschöpfung und Überlastung erheblich beeinträchtig sein. Der Begriff Burnout umfasst  Erschöpfungszustände unterschiedlichen Schweregrades, ist aber auch für verschiedene psychische Erkrankungen gebräuchlich.

Burnout als Prozess

In der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten ICD -10 kommt Burnout als eigenständige Diagnose nicht vor.Burnout wird hier vielmehr zu den „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“ gezählt.Entgegen einer verbreiteten Meinung ist Burnout kein definiertes Krankheitsbild oder gar eine valide Diagnose. Es handelt sich vielmehr um einen in typischen Stadien ablaufenden Prozess. Je nach Fortschreiten dieser Entwicklung resultieren daraus unterschiedliche Symptomenkomplexe die von der leichten Befindlichkeitsstörung bis zu ernsthaften körperlichen und seelischen Erkrankungen reichen können.

Erschöpfung und Burnout können eine Depression begünstigen

In frühen Stadien ist „Hilfe zur Selbsthilfe“ gefragt: psychologische Beratung, Coaching und die Analyse arbeitsplatzbezogener Belastungsfaktoren können dazu beitragen, dass eine gesundheitsförderliche Haltung eingenommen wird und Betroffene mit Hilfe ihrer persönlichen Ressourcen ein weiteres Fortschreiten der Entwicklung vermeiden können. Leider werden Frühwarnzeichen wie anhaltendes Erschöpfungsgefühl, nachlassende Genussfähigkeit, erhöhte Infektanfälligkeit oder Einschlafstörungen oft übersehen, sodass  in späteren Phasen manifeste Erkrankungen drohen.

Eine besonders häufige Folge einer schwerwiegenden Burnout Entwicklung sind depressive Erkrankungen. Hier ist eine sorgfältige Diagnostik erforderlich, denn erst die korrekte Diagnose ermöglicht eine sinnvolle Behandlungsplanung. Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie verfügen über die erforderliche Expertise. Obwohl Erschöpfung und Burnout die Entstehung einer Depression begünstigen können, ist es wichtig, die Depression ist als eigenständige Erkrankung zu begreifen, die keineswegs nur im Zusammenhang mit Belastungen auftritt.

Zahl der depressiven Erkrankungen steigt

Mit einer Lebenzeitprävalenz von 15 – 20 % und weltweit steigender Inzidenz gehören depressive Erkrankungen zu den häufigsten Krankheiten in der Bevölkerung, die prinzipiell jeden Menschen treffen können. Frauen sind besonders gefährdet. Nach wie vor werden Depressionen unzureichend diagnostiziert und behandelt.

„Obwohl Erschöpfung und Burnout die Entstehung einer Depression begünstigen können, ist es wichtig, die Depression als eigenständige Erkrankung zu begreifen.“

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Verlaufs- und Manifestationsformen, sodass die wichtigsten Symptome wie Antriebsstörung, Freudlosigkeit und gedrückte Stimmung nicht immer klar zu erkennen sind. Man sollte daher bei derartigen Symptomen den Weg zum Psychiater bzw. zur Psychiaterin nicht scheuen.

In der Behandlung der Depression ist neben den psychotherapeutischen Maßnahmen  oft eine medikamentöse Therapie erforderlich. Erfreulicherweise gibt es heute eine breite Palette von Therapiemöglichkeiten, die gut verträglich und äußerst wirksam sind.

Information über psychische Erkrankungen hilft gegen Tabuisierung

Leider fällt es auch heute noch vielen Betroffenen schwer, fachlich kompetente Hilfe in Anspruch zu nehmen, sind doch psychische Erkrankungen nach wie vor tabuisiert und teilweise stigmatisiert. Hier kann nur korrekte Information Abhilfe schaffen. Mögen die folgenden Seiten dazu beitragen.