Prim.Dr. Anton Tölk
Leiter des Institut für Psychotherapie in der Landesnervenklinik Wagner Jauregg

Die meisten Menschen kennen den Zustand von psychischer Niedergeschlagenheit und Energielosigkeit, d.h. man ist freudlos und möchte sich am liebsten im Bett verkriechen. Dies nennt man depressive Verstimmung und diese vergeht in der Regel nach einer gewissen Zeit wieder von selbst. Dieser Zustand hat nichts mit einer Krankheit zu tun. Sollten jedoch die Gefühle der Niedergeschlagenheit und Antriebsstörung über mehrere Wochen anhalten, kombiniert mit Schlafstörungen, vermindertem Selbstwertgefühl, Verlust von Interesse und Freude (Anhedonie), Lustlosigkeit auf Sexualität (Libidoverlust) und dem Gefühl, es gäbe keine positiven Zukunftsperspektiven mehr, dann spricht man von einer depressiven Episode. Dies ist eine psychiatrische Krankheit und sollte dementsprechend behandelt werden.

 

Geschlechtsunterschiede

Die Symptomatik einer Depression weist Geschlechtsunterschiede auf: bei depressiven Männern dominieren häufig Aggressivität, Impulsivität und Alkoholmissbrauch, weshalb Depressionen bei Männern häufiger unerkannt bleiben. Bei Frauen entsteht eher ein Zustand der Passivität und der Mutlosigkeit. Jedoch besteht bei beiden Geschlechtern die Gefahr, während einer depressiven Phase ein suchthaftes Verhaltensmuster zu entwickeln.

 

Verbreitung

Die Depression zählt man zu den affektiven Störungen, sie ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung überhaupt. Die Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung beträgt im zeitlichen Querschnitt etwa 6%. Sie wird bei Frauen häufiger diagnostiziert als bei Männern. Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Leben eine affektive Störung zu bekommen, liegt bei fast 20%. Leider wird sie auch heute noch häufig gar nicht oder nicht rechtzeitig erkannt und daher nicht behandelt, obwohl die diagnostischen Möglichkeiten in der Psychiatrie in den letzten 20 Jahren rasant zugenommen haben. Ursächlich gibt es sehr viele Formen der Depression. Sie kann ein Anfangssymptom einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung oder ein Begleitsymptom bei verschiedenen körperlichen Erkrankungen sein wie z.B. nach einem Schlaganfall.

 

„Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Die therapeutischen Möglichkeiten richten sich nach Art und Schwere der Ausprägung.“

 

Es gibt die postpartale Depression in den ersten Wochen und Monaten nach einer Entbindung, die saisonale Depression (Herbst- Winterdepression) oder die depressive Phase im Rahmen einer bipolaren Störung, d.h. dass sich depressive und manische Phasen ablösen. Eine schwer verlaufende Depression nennt man Major Depression, diese muss unbedingt behandelt werden, weil ein erhöhtes Suizidrisiko besteht. Die therapeutischen Möglichkeiten richten sich nach Art und Schwere der Depression. Neben Medikamenten (Antidepressiva) und Psychotherapie gibt es Lichttherapie, Schlafentzugstherapie oder in schweren Fällen wird manchmal auch die Elektrokrampftherapie angewendet.

Neuere therapeutische Möglichkeiten bieten die transkranielle Magnetstimulation oder die Vagusnerv-Stimulatiotion. Bei bipolarer Störung wird als Phasenprophylaxe beispielsweise mit Lithium behandelt.

 

Wie entsteht eine Depressionen:

Es gibt biologische und psychologische Faktoren. Einerseits spielt die genetische Disposition eine Rolle, andererseits können belastende Lebensereignisse Depressionen auslösen.

Beziehungskrisen, drohender Verlust des Arbeitsplatzes, Mobbing und Burnout bei chronischer Überlastung sind solche psychologische Faktoren. Hierbei ist die Psychotherapie als therapeutisches Mittel der ersten Wahl zu nennen.