Chefarzt Prim. Dr. Georg Psota
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie

Depressionen gehören zu den häufigsten seelischen Krankheiten überhaupt. Rund 17 Prozent der Bevölkerung erleben zumindest ein Mal in ihrem Leben eine Depression, wobei Frauen davon doppelt so häufig betroffen sind. Am meisten gefährdet ist die Altersgruppe der 40- bis 54-jährigen. Die Depression ist nicht nur ein kurzfristiges Stimmungstief, sondern eine psychische Erkrankung, die eine medizinische Behandlung erfordert.


Kaum positives Empfinden

Niedergeschlagenheit, gedrückte Stimmung, Interesse- und Freudlosigkeit, weniger Antrieb bis zum völligen Antriebs- und Energieverlust, gleichzeitig Nervosität und Unruhe, Schlafstörungen und Angst, – das sind Symptome, die zur Diagnose hinzugezogen werden. „Einzelne dieser Symptome wird jeder Mensch kennen, aber wenn mehrere von ihnen zutreffen, und das über etliche Wochen, ist das das Bild einer depressiven Erkrankung“, sagt Primarius Dr. Georg Psota, Chefarzt des
Kuratoriums für psychosoziale Dienste in Wien sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie.
In dieser Zeit können sich die Betroffenen kaum mehr positiv wahrnehmen, verlieren oftmals den Appetit, die Libido, das Interesse an den schönen und alltäglichen Dingen des Lebens. Vielen fällt es schwer, selbst einfache Entscheidungen zu treffen. Hinzu kommen körperliche Beschwerden und Schuldgefühle, die nichts mit der Realität gemein haben müssen. Depressive Menschen interpretieren die Welt  negativ und nehmen ihre Umwelt verändert wahr.


Tabuthema Depression

„Genetische Faktoren, vergangene und aktuelle Traumatisierungen, hormonelle Faktoren, körperliche Erkrankungen, gravierende Verlusterlebnisse, sowie scheinbar unlösbare Konflikte können für die Entstehung einer Depression verantwortlich sein“, erklärt Chefarzt Dr. Georg Psota. „Letztlich gerät der Neurotransmitterhaushalt als wesentlicher Teil des Gehirnstoffwechsels und teilweise auch der körperliche
Stoffwechsel massiv aus dem Gleichgewicht.“

„Die Krankheit ist gut behandelbar, doch ehe die Diagnose Depression gestellt wird, liegt oft ein unnötig langer Leidensweg hinter den Betroffenen“, sagt Psota und ergänzt, dass unsere Gesellschaft die Depression immer noch nicht ausreichend als Krankheit anerkannt habe. Viele Betroffene schämen sich und empfinden die Krankheit als eine persönliche Schwäche. Besonders für Angehörige ist der Umgang mit Betroffenen schwierig. Es ist wichtig, das Empfinden von Depressiven zu akzeptieren und nicht an ihren Willen zu appellieren, da genau dieser in der Depression kaum aktivierbar ist. Depression ist eine behandelbare Krankheit, mit welcher Betroffene einen Arzt aufsuchen sollten - Angehörige können dabei helfen.


Hilfe durch Therapie

Im Vordergrund der modernen Behandlung einer Depression steht die Therapie mit Medikamenten und die Psychotherapie, wobei die Kombination der beiden Behandlungsformen am vielversprechendsten ist. Wichtigste Voraussetzungen sind dabei das Vertrauen zum Therapeuten und die regelmäßige Einnahme der Medikamente.
Vor allem bei leichteren Formen der Depression kann eine Psychotherapie ebenso wirksam, wie eine medikamentöse Behandlung sein. „Manchmal empfiehlt es sich auch, die Therapie durch eine psychosoziale Betreuung zu ergänzen“, so Psota. Körperliche Betätigung, gesunde und ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Stress sind ebenfalls wichtige Faktoren für eine anhaltende Genesung.