„Demenz ist der Oberbegriff für eine ganze Symptomengruppe, die durch Veränderungen von Gehirnfunktionen verursacht werden“, erläutert Prim. Univ.-Professor Josef Marksteiner, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie A des Landeskrankenhauses Hall in Tirol.

 

Symptome

Erste Symptome der Demenz sind beispielsweise eine ständige Wiederholung der gleichen Frage, Orientierungsverlust auf bekannten Wegen, beispielsweise in der Wohnung, die Unfähigkeit Anweisungen zu folgen oder der Verlust zeitlicher und räumlicher Orientierung.

Es gibt zwei grundsätzliche Formen, erklärt der Professor. „Die sogenannten primären Formen treten am häufi gsten auf. Sie machen 90 Prozent aller Demenzfälle bei über 65-Jährigen aus. Bei ihnen liegen neurogenerative oder vaskuläre Veränderungen vor. Wir Mediziner unterscheiden dabei, ob die Nervenzellen ohne äußerlich erkennbare Ursache untergehen. Dies ist bei Alzheimer-Krankheit der Fall, oder ob sie etwa aufgrund von Durchblutungsstörungen schwere Schäden erlitten haben. Dann spricht man von vaskulärer Demenz.

Mit zunehmendem Alter treten häufig Mischformen der vaskulären und neurodegenerativen Demenzen auf.

Zu den sekundären Demenzen gehört der geistige Verfall als Folge einer anderen organischen Erkrankung. Das können Hirnverletzungen, eine Herz-Kreislauf-Krankheit, aber auch Gifte wie Alkohol oder Drogen sein. Wenn es gelingt die Grunderkrankung wirksam zu behandeln, normalisiert sich in diesen Fällen die geistige Leistungsfähigkeit.

 

Demografische Entwicklung

„Die Bevölkerungsentwicklung in Österreich wird in den kommenden Jahren einen spürbaren Anstieg der psychischen Alterserkrankungen wie Demenz und deren häufigste Form Alzheimer mit sich bringen. Dies stellt die stationäre und ambulante Psychiatrie und die Gesundheitsplanung in Österreich vor immense Herausforderungen“, so Marksteiner.

 

„Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit aufhalten. Die Medikamentengabe sollte aber nur Baustein eines umfassenden Therapiekonzeptes sein“

 

Medikamentöse Hilfe

Stoppen kann man die Demenz nicht, lediglich den Verlauf kann man zu verzögern versuchen. „Inzwischen können Medikamente, sog. Antidementiva, das Fortschreiten der Krankheit aufhalten oder zum Stillstand bringen. Die Medikamentengabe sollte aber nur Baustein eines umfassenden Therapiekonzeptes sein – und etwa zusammen mit einem Hirnleistungstraining eingesetzt werden.“ Je nach zugrunde liegender Ursache der Demenz kämen unterschiedliche Wirkstoff Gruppen zum Einsatz,“ führt Professor Marksteiner aus.

Die Substanzen wirken je nach Patient unterschiedlich. Einen Behandlungsversuch hält Marksteiner jedoch für sinnvoll, selbst wenn er nicht zu großen Veränderungen führt. Ein Behandlungserfolg ist für uns Mediziner inzwischen schon, wenn sich der Zustand des Patienten nicht verschlechtert.

Als Medikament wird unter anderem ein Hemmer eingesetzt, der den Signalaustausch zwischen den Nervenzellen verbessert. Mit seiner Hilfe wird die Verfügbarkeit des Signalstoffs Acetylcholin erhöht, indem er das Enzym Acetylcholinesterase blockiert. Wissenschaftler haben inzwischen nachgewiesen, dass sich durch die Gabe dieses Wirkstoff es das Voranschreiten der Erkrankung um mindestens ein Jahr verzögern lässt.