Prof Dr. Tatjana Schnell
Persönlichkeits- und Differentielle Psychologie, Universitätsklinik Innsbruck

Doch was ist das eigentlich, der Lebenssinn? „Mit dem Begriff Lebenssinn bringt man vier wichtige Kriterien in Verbindung. Man kann in seinem Leben nur dann Sinn erleben, wenn die verschiedenen Lebensbereiche zusammenpassen. Das nennt man Kohärenz. Unter Bedeutsamkeit versteht man, dass eigene Handlungen Konsequenzen haben. Drittens sollte es ein grobes Lebensziel geben, auch in moralischer Hinsicht. Und als vierter Punkt ist das Gefühl von Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder Gemeinschaft sehr wichtig“, erklärt Dr. Tatjana Schnell, Professorin mit Schwerpunkt Persönlichkeits- und Differentielle Psychologie an der Uni Innsbruck.

Sinn des Lebens

Der Lebenssinn lässt sich laut Prof. Schnell natürlich nicht verallgemeinern, zu verschieden sind die Persönlichkeiten einzelner Menschen, zu unterschiedlich die einzelnen Lebensläufe und Lebensentwürfe. Doch jeder hat die Möglichkeit, seinem Leben Sinn zu geben. „Frauen sehen eher soziale Aspekte wie Gemeinschaft, Nähe und Fürsorge als sinnstiftend an, bei Männern zählen eher selbstzentrierte Motive wie Selbstverwirklichung, Leistung oder Macht.“ Ein großer und wichtiger Punkt bei der Suche nach dem Sinn im Leben ist dabei die eigene Erwerbstätigkeit.

Berufstätigkeit und Bedeutsamkeit als Lebenssinn

Laut Prof. Schnell gibt es zwei entscheidende Punkte, mit denen man eine sinnvolle Berufstätigkeit erklären kann. „Die Bedeutsamkeit der eigenen Aufgabe ist dabei ein wichtiger Punkt. Wenn die eigene Arbeit so interpretiert wird, dass andere Menschen etwas von dieser Tätigkeit haben, erlebt man die Arbeit als sinnstiftend. Ein weiterer Punkt ist dabei die kommunikative Atmosphäre in einem Unternehmen. Mitarbeiter sollen merken, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, nicht über ihren Kopf hinweg.“

Spi­ri­tu­a­li­tät und Engagement als Sinn im Leben

Doch nicht nur auf beruflicher Ebene gibt es zahlreiche Faktoren, die für den Sinn im Leben förderlich sind. Spirituelle Menschen, für die ihre Religion eine zentrale Rolle im Leben spielt, haben meist ein sehr sinnerfülltes Leben. Doch die Rolle der Religion kann auch von anderen Faktoren übernommen werden. „Ehrenamtliche Arbeit, das Aktiv werden für ein größeres Ganzes, beherbergt die Sinnerfüllung ganz stark“, stellt Prof. Schnell klar. Das Engagement für die Gesellschaft oder kommende Generationen als sinnstiftender Aspekt ist nicht zu unterschätzen.

Wer keinen Sinn in seinem Dasein sieht, muss jetzt nicht unglücklich werden. Als entscheidende Voraussetzung für ein zufriedenes Leben ist das Streben nach einem Sinn im Leben aber sehr zu empfehlen.