Dr. Brigitte Holzinger
Lehrgangsleiterin Schlafcoaching, Medizinische Universität Wien

Antwort: Schlaf und Mensch funktionieren ganzheitlich. Was man für den Schlaf tut, tut man für sich und umgekehrt.

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Aber nicht alle Menschen versinken am Ende des Tages freudig in weichen Federn. Für viele ist das Zubettgehen mit Angst verbunden. Eigens entwickelte Techniken wie Schlafcoaching und luzides Träumen helfen dabei, den Schlaf wieder als das zu sehen, was er ist: eine Erholung.


Traum als Inspirationsquelle

Wieso überhaupt geträumt werden muss, kann laut der Psychologin Brigitte Holzinger nicht exakt beantwortet werden. „Die Frage nach der Funktion von Träumen ist wahrscheinlich die Frage aller Fragen. Im Allgemeinen geht es darum, wieder bereit zu sein für die Abenteuer des anbrechenden Tages. Der Traum hilft dabei, tagsüber Erlebtes in den bereits entwickelten Erfahrungsschatz zu integrieren und somit neue Erfahrungen zu etablieren.“ Eine besonders wichtige Rolle spielen hierbei die Gefühle. Sie helfen, einen normalen Traum von einem Alptraum abzugrenzen. „Die körperliche Reaktion auf das zugrundeliegende Gefühl von Träumen ist entscheidend, nicht die Bilder des Traumes. Aus diesem Grund wollen wir den Menschen auch keine Deutungen überstülpen, denn der Träumer weiß selbst am besten, was sein Traum bedeutet.“ Träume können aber auch zur Qual werden – das ist jedoch kein Fluch, sondern kann geändert und bewältigt werden.


Albträume und Schlaflosigkeit

Wenn man von Albträumen geplagt wird, beginnt man den Schlaf zu meiden. Dauert dies über einen Zeitraum von drei Monaten an, ist es Zeit aktiv zu werden. „Zur Bewältigung von Albträumen haben wir das luzide Träumen erforscht. Es ermöglicht, den Traum als Traum zu verstehen und aktiv darin handeln zu lernen.“, so die Psychologin. „Die Person lernt, sich von den Albträumen zu befreien. Angst im Traum kann zu großer Freude werden.“
Den Menschen, die nicht schlecht träumen, sondern einfach nicht mehr schlafen können, empfiehlt die Psychologin Schlafcoaching. „Hinter der Unfähigkeit zu Schlafen liegt häufig eine gesteigerte Angespanntheit. Ursachen dafür können im Lebensstil, einer Lebenssituation und in Sorgen liegen.“


Die Aufgabe

des Schlafcoachs ist es, den Klienten dabei zu unterstützen, Ursachen für die Schlafprobleme zu finden, die gelöst oder bewältigt werden wollen. Dieser integrative Teil bildet zusammen mit der Änderung von  Schlafgewohnheiten, Wissen rund um den Schlaf und Hypnosetechniken die vier Pfeiler des Schlafcoachings. Schlafcoaching ist ein nicht medikamentöser, neuer Ansatz, aber kein Ersatz für die medizinische Behandlung von Schlafstörungen.


Was tun für guten Schlaf

„Man soll diese tägliche Routine nicht als selbstverständliches Übel ansehen. Schlaf ist eine wunderbare Einrichtung zur Regeneration des Körpers und der Seele,“ fügt die Psychologin  abschließend hinzu. „Aus diesem Grund soll man den Schlaf respektieren und ihn schon von Anfang an pflegen. Tut man sich gut, tut man auch dem Schlaf gut, das betrifft das Streben nach Glück ebenso wie einfache Dinge des Lebens, wie Ausdauersport, bewusste Ernährung und das Beachten der Inneren Uhr.“