Wann sprechen wir heute von einem Burnout?

Heute wird Burnout als Modebegriff für vieles benutzt, was psychisch krank meint. Die Menschen sagen einfach: „Ich habe ein Burnout“ und meinen damit „Es geht mir psychisch schlecht“. Das Burnout im engeren Sinn wurde schon vor 30 Jahren beschrieben. Ursprünglich waren damit Personen gemeint, die über eine hohe idealistische Einstellung verfügen, die freiwillig mehr arbeiten und für ihre Aufgabe sozusagen brennen. Sie übernehmen unbezahlte Mehrarbeit, nehmen keinen Urlaub, und statt des erhofften Dankeschöns erleben sie oftmals mangelnde Wertschätzung und Enttäuschungen. Irgendwann beginnt sich das Unterbewusstsein zu wehren und erste Symptome zeigen sich. 

Dann tritt an die Stelle der ursprünglichen Begeisterung oft Erschöpfung, Sarkasmus und Zynismus und die betroffene Person erledigt nur mehr „Dienst nach Vorschrift“. Ursprünglich wurde Burnout oft im sozialen Bereich, bei Pflegern und in karitativen Bereichen beobachtet.

Heute hat sich der Begriff ausgeweitet. Auch was man früher eine Erschöpfungsdepression nannte, wird heute als Burnout diagnostiziert. Hier sind leistungsorientierte Personen betroffen, die sich über ihre Arbeit definieren und stabilisieren. Irgendwann haben sie eben zu viel gearbeitet und die Reserven gehen zur Neige. Eine weitere betroffene Gruppe sind Personen, die früher sexuellen oder psychischen Missbrauch erlebt haben und nun durch Belastungen am Arbeitsplatz oder in der Beziehung das ehemals Verdrängte nicht mehr unter dem Deckel halten können.

 

Bei welchen Symptomen sollten die Alarmglocken schrillen?

Egal zu welcher der betroffenen Personengruppen man gehört, irgendwann beginnt das Selbst sich zu wehren. Die Symptome können ganz unbewusst und harmlos beginnen, von Verspannungen und häufigerer Anfälligkeit für Krankheiten, über Schlaflosigkeit, Suchtverhalten bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.

Der Mensch hat keinen Kontakt mehr zum eigenen Selbst, er fühlt nichts mehr, ist erschöpft und erlebt ängstliche und depressive Symptome.

 

Wie reagiert man auf den Burnout-Verdacht?

Erst einmal sollte man versuchen, mit guten Freunden zu sprechen. Wenn man spürt, dass die Symptome zunehmen und sich verschlimmern, sollte man seinen Hausarzt kontaktieren. Oft glauben Betroffene, sie könnten ihren Zustand nicht in Worte fassen oder sie schämen sich, darüber zu sprechen. Gerade dann sollte man es dennoch versuchen und sich professionelle Hilfe holen. Beim Psychotherapeuten, Psychologen oder in der Reha-Klinik kann man dann wieder lernen, zu sich selbst zu finden. Hier übt man, sich wieder Zeit für sich selbst zu nehmen und über sich nachzudenken.

 

Wie kann man verhindern, dass es überhaupt zum Burnout kommt?

Ich habe eine Faustregel: Mindestens eine halbe Stunde täglich sollte man mit sich selbst verbringen, und zwar ohne Radio, Internet, Buch, TV, etc. Wenn zu wenig Zeit ist für das Selbst, dann wird es irgendwann erschöpft. Zudem ist persönlicher Kontakt essentiell, der Mensch braucht authentische Begegnungszeit mit wirklichen Freunden. Hier laufen komplexe psychische Mechanismen ab, mittels derer sich der Mensch in der Welt verortet und seine eigene Wirklichkeit mit der seiner Mitmenschen abgleicht. Heute erfahren viele Menschen einen Verlust an sozialer Zeit durch die neuen Medien. Man geht nicht mehr ins Kaffeehaus um sich zu treffen sondern verbringt immer mehr Zeit alleine und pflegt seine sozialen Kontakte übers Internet. Das ist schlecht für das gesunde Selbst, denn dem Menschen geht es gut in warmen, intimen, und vor allem echten Beziehungen.