Augenblicke der Ruhe mit Yoga und Meditation

Eine Viertelstunde Yoga pro Tag, dazu Meditations- und Atemübungen. Das hält nicht nur den Körper fit und beweglich, sondern hilft auch, loszulassen und besser mit den Sorgen des Alltags umzugehen. Im April hat Ursula Lyon, die Grande Dame des deutschsprachigen Buddhismus, ihren 85. Geburtstag gefeiert – dennoch hält sie an diesen Regeln fest. „Warum sollte ich aufhören, es tut mir gut“, sagt sie. Und es hilft, mit dem Altern und dem näher rückenden Tod zurechtzukommen.

Seit 40 Jahren macht Lyon Yoga. In Brasilien ist die gelernte Krankenschwester das erste Mal mit der philosophischen Lehre aus Indien in Berührung gekommen. Damals allerdings noch eher auf körperlicher Ebene: „Yoga tat dem Körper gut. Da ging es um Schönheit und Gesundheit“, erinnert sich Lyon.

Ursula Lyon
Gründungsmitglied Berufsverband der Yogalehrenden in Österreich (BYO); Grande Dame der Meditation

Yoga Anfänge

Als sie nach Deutschland zurückkehrte, musste sie ihren Yoga-Unterricht an der Volkshochschule zunächst sogar als Entspannungsgymnastik verkaufen. Denn so etwas Exotisches wie Yoga war damals nicht gerne gesehen. „Heute ist Yoga überall, einer muss wohl der Vorreiter sein“, schmunzelt die 85-Jährige. Tatsächlich ist Yoga inzwischen wirklich nicht mehr exotisch: Ob alt oder jung, fit oder eher unsportlich, Yoga gibt es heute in vielen Varianten.

Während sich die kraftvollen Yoga-Arten für Sportbegeisterte eignen, bieten ruhigere Varianten ein gutes Körpertraining für jedermann. Das Merkmal von Hatha Yoga, dem Überbegriff für physische Yoga-Arten, ist Bewusstheit und Achtsamkeit in allen Bewegungen mit entsprechender Atmung.

Organe anregen

Ein konkretes Ziel verfolgen viele moderne Weiterentwicklungen, beispielsweise Organ-Yoga oder Hormon-Yoga; Bikram Yoga nutzt hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Original gibt es dabei keines, wie Lyon erklärt: „„Da in den alten indischen Schriften die Übungsanweisungen teils schwer zu verstehen sind, gibt es viele verschiedene Auslegungen. Ich finde das aber gut, so kann sich jeder etwas aussuchen, das zu ihm passt.“ Problematisch wird es nur, wenn Übungen übertrieben werden und so gesundheitliche Schäden hinterlassen können – hier rät die Expertin zur Vorsicht. Denn gerade bei Anfängern sind der langsame Aufbau und die Vorbereitung einer neuen Übung besonders wichtig.

Heilsame Lebensstrategie - Yoga und Meditation

Neben ihren ersten Unterrichteinheiten begann sich Lyon auch für die philosophischen Hintergründe zu interessieren und verknüpfte Meditationstechniken mit körperlichen Übungen. „Ich habe alles einmal ausprobiert und behalten, was mir gefiel“, erklärt sie. Im niederösterreichischen Scheibbs war die Yoga-Expertin Schülerin der buddhistischen Nonne Ayya Khema. So entwickelte die gebürtige Deutsche ihre Variante des Sampada-Yoga, was so viel bedeutet wie ‚umfassender Weg‘. Lyon verknüpft hier buddhistische Lehre, Yoga, Meditation und viel Freude und Liebe zu einer „heilsamen Lebensstrategie“. Denn je stressiger der Alltag wird, desto mehr ist Achtsamkeit für sich selbst gefragt. „Manchmal sollte man einfach nur stehen, sich selbst spüren und begreifen, dass man da ist“, schildert die Meditations-Expertin.

Reflexion im Alltag

Als bürotauglichen Alltagstipp empfiehlt sie, etwa ein Glas Wasser ans Fenster zu stellen und ab und zu aufzustehen, bewusst aus dem Fenster zu schauen und ganz langsam zu trinken. Rote Ampeln kann man dagegen – statt sich zu ärgern – ebenfalls für kurze Besinnungsmomente nützen. Mehr Ruhe, persönliche Entwicklung und Zeit zur Reflexion ist dagegen Ziel der Meditation. „Meditation ist langsam, ich kann das Tempo selbst regulieren und bin in diesem Augenblick ganz bei mir“, beschreibt Lyon. Diese Erfahrungen und Einsichten kann dann selbst der stressigste Moment nicht mehr nehmen.