Was ist Schmerz eigentlich und wie entsteht er?

Man unterscheidet akute und chronische Schmerzen. Der akute Schmerz ist ein Warnsignal und soll den Körper vor weiteren Schäden schützen. Er wird durch Entzündung, Verletzung, Verbrennung, etc. hervorgerufen. Durch die Gewebsverletzung kommt es zur Erregung von Schmerzrezeptoren, die in der Haut, an Muskeln, Sehnen, Gelenken und in inneren Organen zu finden sind. Diese Rezeptoren leiten den Schmerz über das Rückenmark ans Gehirn. Durch andauernde Schmerzen kommt es zu einer Sensibilisierung der Rezeptoren. Diese werden überaktiv, auch angrenzende Schmerzrezeptoren reagieren.

Dr. Nadja Loinig
Fachärztin für Neurochirurgie an der Universitätsklinik Innsbruck

Dadurch werden Reize wie Berührung und Druck zu Schmerz. Letztendlich sendet das Rückenmark Schmerzsignale ans Gehirn, obwohl die Ursache beseitigt ist. So werden chronische Schmerzen zu einem eigenständigen Krankheitsbild.

Kann man chronischen Schmerzen, insbesondere Rückenschmerzen, vorbeugen?

Wichtig ist konsequente, regelmäßige Bewegung und die Vermeidung von Übergewicht. Beim Heben sollte man darauf achten, dass die Oberschenkel und nicht der Rücken die Hauptarbeit leisten. Beim Bücken in die Knie gehen. Einseitige Belastungen vermeiden und Gewichte gleichmäßig verteilen. Optimale Sitzverhältnisse schaffen und für regelmäßige Entspannungspausen sorgen. Stress vermeiden, Probleme lösen, Depressionen, Angststörungen etc. frühzeitig therapieren. Aktiv zu bleiben ist besonders wichtig.

Wie sollten Matratze und Kopfkissen beschaffen sein, um chronische Schmerzen durch falsches Liegen zu vermeiden?

In Studien zeigte sich, dass ein mittlerer Härtegrad für den Rücken am besten ist. Natürlich sind auch der Körperbau, das jeweilige Körpergewicht und die Schlafposition zu beachten.  Eine Matratze sollte in Seitenlage  im Bereich von Hüfte und Schulter nachgeben und die Taille stützen. In Rückenlage muss die S-förmige Krümmung der Wirbelsäule bestehen bleiben. Das Kopfkissen soll den Kopf und die Halswirbelsäule stützen und nicht zu groß sein. Vor dem Kauf einer Matratze ist ein ausgiebiger Test in allen Schlafpositionen sinnvoll.

Gibt es Möglichkeiten, mit chronischen Schmerzen zu leben?

Es gibt Patienten, bei denen die Schmerzreduktion durch Medikamente nicht ausreicht. Bei chronischen Schmerzen, die vom Nervensystem ausgehen, gibt es die Möglichkeit der Neurostimulation. Dabei werden  über eine Elektrode elektrische Impulse an das Rückenmark abgegeben. Der Patient verspürt ein Kribbeln, das ein Schmerzareal überdecken soll.  Durch die Elektrode wird die Schmerzweiterleitung über das Rückenmark ans Gehirn reduziert. In starken Fällen chronischer Schmerzen ist die Implantation einer Schmerzpumpe notwendig, die über einen Katheter im Nervenwasser(kanal) kontinuierlich Medikamente ins Nervenwasser abgibt.

Wichtig bei chronischen Schmerzen ist eine fächerübergreifende Therapie, die auch Physio- und Psychotherapie beinhaltet. Chronische Schmerzen führen häufig zu Depressionen. Mit Hilfe der Psychotherapie werden positive Verhaltens- und Bewältigungsmechanismen aktiviert.