Prof. Walter Reinisch
Gastroenterologe der Arbeitsgruppe Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen des AKH Wiens

Die Anzahl der an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Erkrankten steigt weltweit. Besonders junge Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zählen zu den Patienten.
Solch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wird laut Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. „Es wird viel Aufwand betrieben um älteren Menschen einen gesunden Lebensabend zu ermöglichen. Allerdings wird dabei oft vergessen, dass immer mehr junge Menschen an chronischen Leiden erkranken“, sagt Reinisch. In vielen Fällen fehlt es an öffentlichen Geldern um die Gründe der Krankheiten zu erforschen.

 

Ursache unbekannt

Weder bei Morbus Crohn, noch bei Colitis ulcerosa ist klar, was sie bedingt. Es kann davon ausgegangen werden, dass Umweltfaktoren einen Einfluss haben. Welche genau es sind, kann nicht spezifiziert werden. Nikotinkonsum und die Einnahme von Antibiotika im frühen Alter gelten als wahrscheinlich.

 

Unterschiedlicher Krankheitsverlauf

„Der Prozentsatz an progressiv verlaufenden Erkrankungen ist beim Morbus relativ hoch“, sagt Prof. Dr. Reinisch. Die Entzündungen können sich im ganzen Verdauungstrakt ausbreiten und auch alle Schichten des Darms befallen, von der Schleimhaut bis zum Muskelgewebe. Außerdem kann die Entzündung auf angrenzende Organe übergehen. Oft kommt es zu einer Verengung des Darms, was im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss führt. Colitis ulcerosa ist auf den Dickdarm beschränkt, greift ausschließlich die Schleimhaut an und verläuft nicht selten in einer milden Form. 

 

Frühe Behandlung

Gerade bei progressiv verlaufenden Krankheitsfällen ist es wichtig, dass früh mit einer Medikamentengabe begonnen wird. Dadurch kann weiteren Komplikationen entgegengewirkt werden. Trotzdem kann es nicht immer verhindert werden, dass es zu einem chirurgischen Eingriff kommt. Oftmals müssen die von der Entzündung  befallenen Teile des Darms operativ entfernt werden. Eine definitive Heilung gibt es weder im Fall von Morbus Crohn, noch bei Colitis ulcerosa.