Natalie, was ging in Ihnen vor, als Sie Zoeys Diagnose erfuhren?

Es war eine Woche vor Heiligabend. Wir hatten den ersten Tag gemeinsam mit Zoey hinter uns, waren shoppen, bei meinen Eltern. Wegen der anstehenden Feiertage wollten wir Zoey unserer Kinderärztin vorstellen, bevor die Praxis für einige Tage schloss. Den Moment, als die Ärztin das Stethoskop von Zoeys Brust nahm, innehielt, uns ansah, vergesse ich nie. Sie sagte, wir müssten sofort ins Krankenhaus mit Zoey, sie hätte einen schweren Herzfehler.

Was? Gestern hatte uns das Krankenhaus mit einem gesunden Kind entlassen! Heute sollte es schwer krank sein? Unfassbar! Wahnsinn! Und doch real: Der Ultraschall im Krankenhaus zeigte, dass Zoeys Herzchen sehr, sehr krank war.

Hatten Sie etwas Ungewöhnliches an Zoey bemerkt?

Nein. Zoey zeigte keine Auffälligkeiten. Heute weiß ich, dass wir an unserem einen „normalen“ Tag einfach nur Glück hatten.

Was geschah nach der Diagnose?

Wir blieben im Spital. Das war schlimm. Ich wurde zum ersten Mal mit kranken Kindern konfrontiert, eins davon meins. Darauf war ich nicht vorbereitet. Zoey ist unser erstes Kind. Ich habe mich so gut wie möglich auf das Elternsein vorbereitet, zig Bücher gelesen. Ich wusste, welches Kinderbett, welcher Kinderwagen angeschafft werden sollte. Die Diagnose von Zoeys Herzkrankheit überraschte uns. Im Januar wurde Zoey zum ersten Mal operiert, im März zum zweiten Mal. Wir waren bisher 99 Tage im Spital, 75 davon auf der Intensivstation. Jetzt sind wir seit Mitte April daheim.

Natalie, wie geht es Zoey?

Sie ist stark (lächelt). Seit drei Tagen schafft sie es, ihr Fläschchen zu trinken. Allein! Die Ernährungssonde ist überflüssig. Das ist wichtig, denn Zoey braucht Kraft, um die im Juli anstehende OP zu überstehen. Die jetzige Phase ist sehr kritisch. Sie bekommt drei Mal am Tag Medikamente, nach der OP hoffentlich weniger. Ich bin froh, dass ich im Spital auf den Alltag mit Zoey so gut vorbereitet wurde. Ohne Überwachungsmonitore muss ich mich ganz auf meine Sinne verlassen. Doch ich glaube an Zoey. Ich sage ihr jeden Abend „Gute Nacht“ mit den Worten: „Zoey, ich vertrau‘ Dir. Du machst morgen früh Deine Äuglein wieder auf. Und dann bin ich da.“

Wie wird Zoey medizinisch betreut?

Einmal die Woche wird sie ambulant untersucht. Sie bekommt eine Physiotherapie und wir bringen sie zur Cranio-Sakral-Therapie (Schädel-Kreuz-Therapie).

Was hilft Ihnen, den Alltag mit Ihrem herzkranken Baby zu meistern?

Der Austausch mit anderen „Herzeltern“ hilft mir sehr. Die haben wir im Spital kennengelernt und über die Facebookseite eines Vereins. Dessen Präsidentin sowie die für Wien zuständige Mitarbeiterin haben uns beigestanden. Ich kann jedem empfehlen, sich in so einer Lage an einen Verein zu wenden. Wir sind mit Zoey nicht allein.

Wie werden Sie mit Ihren Ängsten um Zoey fertig?

Verdrängung … Doch ich mache mir nichts vor. Die Angst ist da. Wie ein großes Monster. Sie wird immer da sein. Wissen Sie, ich war nie mutig. Doch wir wachsen mit der Aufgabe. Mir hilft es, meine Ängste laut auszusprechen, in der Familie, im Kreise der Herzeltern, beim Therapeuten.  Auch das Schlimmste in Worten herauszulassen, hilft. Wir „Herzeltern“ sind realistisch. Dass die Eltern vor den Kindern sterben, ist für uns kein in Stein gemeißeltes Gesetz. … Ich gehe heute Nachmittag zur Beerdigung eines kleinen Buben, dessen Eltern ich auf der Intensivstation kennengelernt habe. Wir blieben in Kontakt. Die Hoffnung war, dass unsere beiden Herzkinder zusammen groß werden können …

Was ist Ihnen im Alltag mit Zoey wichtig?

Wir wollen ihr die Welt zeigen und sind deshalb viel unterwegs, setzen uns dabei auch mal über den guten Rat der Ärzte hinweg. Wir wünschen uns, dass Zoey eines Tages auf beiden Herzhälften leben kann … und dass es der Herzchirurg Professor Zimpfer schafft, sie erfolgreich zu operieren und ihr Herz die Hilfe akzeptiert … und so ein Leben möglich ist … der Wunsch meines Mannes ist, sie eines Tages zum Altar führen zu können …

Das wünschen wir Ihnen! Vielen Dank, Natalie, dass Sie uns so offen von sich und Zoey erzählt haben.