Wie bewerten Sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Laut der jüngsten Statistik von 2016 belegen Todesfälle infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 42 Prozent Platz 1 auf der österreichischen Liste führender Todesursachen – mit Abstand folgen Krebserkrankungen (24 Prozent). Das heißt: 37.000 Österreicher starben im vergangenen Jahr an ihren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 20.000 Frauen und 17.000 Männer.

Welche Ursachen haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Ganz vorn steht das Rauchen. 40 Prozent der weiblichen Teenager hierzulande rauchen heute – Tendenz steigend, bei den Knaben sind es unter 30 Prozent. Das Rauchverbot hierzulande sorgte nur bei erwachsenen Rauchern für sinkende Zahlen, bei den Jugendlichen leider nicht.

Was ist mit Übergewicht?

Auch das ist eine Ursache von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere deshalb, weil Übergewicht zugleich Inaktivität bedeutet. Wir machen in Österreich derzeit ein deutliches Gefälle aus: Im Osten sind fast doppelt so viele Jugendliche übergewichtig wie im Westen.

Wie lässt sich Übergewicht präventiv entgegentreten?

Prävention wäre hier mit einfachen und vor allem bestens bewährten Mitteln möglich: Allein ein Verbot sogenannter Softdrinks, die ich in Bezug auf Herz-Kreislauf-Gesundheit als Gift bezeichnen würde, an Schulen brächte früh Erfolge, wie die Skandinavier uns längst vormachen. Dort treiben die Schüler außerdem täglich eine Schulstunde Sport, in Wien ist es derzeit eine Schulstunde pro Woche – und auch die fällt häufig aus.

Wie kann jeder von uns Herz-Kreislauf-Vorsorge betreiben?

Ich rate denen, die eine Familiengeschichte mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, sich frühzeitig vom Facharzt ein individuelles Risikoprofil erstellen zu lassen. Denn eine genetische Disposition lässt sich nicht ausschalten – alle anderen Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht aufgrund suboptimaler Ernährung und Inaktivität sowie Bluthochdruck schon. Die Faktoren summieren sich übrigens nicht nur, sondern multiplizieren sich zu einem Risiko!

Wer das beherzt, kann sofort handeln: Eine Bewegungsart, die Freude bereitet, sollte drei Mal die Woche den Puls erhöhen. Außerdem lassen sich Bewegungsabläufe in den Alltag einbauen: Treppe statt Aufzug, Laufen statt Fahren. Apps und Activity-Tracker machen Bewegung auch für Jugendliche attraktiv.

Welche Rolle spielen Ärzte und Gesundheitssystem in Sachen Vorsorge?

Noch wird Vorsorge hierzulande nicht honoriert. 90 Prozent der Gesundheitskosten geben wir hierzulande für Therapie aus – nur 10 Prozent für Prävention. Und das, gleichwohl belegt ist, wie wirksam Prävention ist. Das beste Beispiel ist die akute Sterblichkeit bei einem Herzinfarkt: Die haben wir dank Aufklärung deutlich senken können.