Zehn Jahre lang wartete die Mutter von Katrin Hagemeister auf eine Niere. Sie war an Niereninsuffizienz erkrankt, nach und nach arbeiteten beide Nieren immer weniger, schließlich gar nicht mehr. Jeden zweiten Tag musste sie für fünf Stunden zur Dialyse, Kopfweh, Müdigkeit und Schmerzen waren ständige Begleiter. Alternativen zur Organspende gab es nicht.

Katrin Hagemeister
Geboren am: 3.3.1983
Seit 2010 wohnhaft in Wien

Eine Spende ihres eigenen Ehemanns lehnte die Mutter aus Sorge schließlich ab, obwohl bereits an einer Blutgruppen-Angleichung gearbeitet wurde. Die ganze Familie litt. Dann endlich, die erlösende Nachricht: Eine Spenderniere war gefunden. Seit der Erkrankung ihrer Mutter ist Katrin Hagemeister Organspenderin. Ständig trägt sie den Ausweis mit sich, der im Falle eines Hirntods erlaubt, ihre Organe zu entnehmen.

Lange Wartelisten

Denn Katrin Hagemeister ist in Deutschland geboren, dort muss einer Organspende ausdrücklich zugestimmt werden. Daher gibt es nur wenige Organspender, die Wartelisten sind lang. „Mir war es wichtig, einen Ausweis zu haben, damit andere Menschen nicht so lange warten müssen. Ich will einfach helfen.“

Umso erstaunter und erfreuter war die 30-Jährige nach ihrem Umzug über die Situation in Österreich. Hier gilt schon seit 1982 die Widerspruchslösung – das bedeutet, jeder über 18 wird automatisch zum Organspender, außer er hat sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen. Diese Regelung hat wesentlich zum Erfolg des Organspendewesens in Österreich beigetragen – im Jahr werden etwa rund 700 Transplantationen durchgeführt, auf der Warteliste stehen im Durchschnitt 1.000 Patienten.

Leben retten

Fürchten muss sich dennoch niemand – auch wenn einige Vorurteile über Organspenden kursieren. „Freunde oder Bekannte waren oft erstaunt, dass ich mich für einen Ausweis entschieden habe“, berichtet die Organspenderin. „Das liegt auch an Unkenntnis. Viele Menschen beschäftigen sich gar nicht mit dem Thema, da sie nicht selbst betroffen sind.“ Katrin Hagemeister wünscht sich daher mehr Aufklärung. Etwa darüber, dass zwei unabhängige Neurologen den eingetretenen Hirntod zweifelsfrei bestätigen müssen, bevor überhaupt an eine Organentnahme gedacht wird. Oder darüber, dass jeder selbst bestimmen kann, welche Organe er gerne spenden möchte und welche nicht. Das kann dezidiert festgehalten werden, aufgrund der genetischen Belastung hat die 30-Jährige etwa ihre Nieren ausgenommen. „Eine Krankheit, die eine Organspende notwendig macht, kann einfach jeden treffen“, sagt sie. Deshalb sollen ihre Organe helfen, Menschen zu retten und Leben wieder lebenswerter zu machen. Wie im Fall ihrer Mutter: Als die Nachricht von der Spenderniere kam, fiel der ganzen Familie ein Stein vom Herzen.

Lebensqualität verbessern

„Ich bin unglaublich stolz auf meine Eltern. Sie haben nie aufgegeben, sich gegenseitig Mut gemacht und auch in aussichtslosen Zeiten die Fahne hochgehalten“, sagt Katrin Hagemeister. Heute geht es ihrer Mutter gut, auch wenn immer noch Vorsicht geboten ist. Denn bei transplantierten Organen kann es zu Abstoßungsreaktionen kommen, besonders das erste Jahr ist kritisch. Keime müssen daher so gut wie möglich vermieden werden. Klimaanlagen, Flugzeuge, unterwegs Eis essen oder Menschenmengen sind für Katrin Hagemeisters Mutter daher immer noch Tabu. Im ersten Jahr war sie mit Mundschutz und Handschuhen unterwegs, wenn ein Familienmitglied einen Schnupfen hatte. „Trotzdem hat sich die Lebensqualität meiner Mutter erheblich gebessert“, sagt Katrin Hagemeister. Die neue Niere bringt neue Freiheit und mehr Privatleben, auch Urlaub ist endlich wieder möglich. Und vor Kurzem wurde auch der 33. Hochzeitstag gefeiert.