Welche Eingriffe finden bei Säuglingen und Kindern am häufigsten statt?

Die häufigste Komplikation aller Herzfehler ist ein Ventrikelseptumdefekt, ein Loch in der Scheidewand zwischen der rechten und der linken Herzkammer. Diese sind bereits im Mutterleib durch Ultraschall-Screening zu erkennen und bei der Geburt können bereits entsprechende Maßnahmen für einen notwendigen Eingriff geplant werden.

Aber nicht jeder Defekt am Herzen muss sofort zwingend operiert werden. Ein Loch in der Herzscheidewand beispielsweise kann sich spontan verschließen, andere Komplikationen sollten innerhalb der ersten sechs Lebensmonate operiert werden um ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

Nach welchen Kriterien werden die Schweregrade eines Herzfehlers eingeteilt?

Die Schweregrade werden nach Leitlinien der The Association for European Paediatric and Congenital Cardiology (AEPC) klassifiziert. Nach diesen Klassifizerungen der internationalen Datenbank haben wir am Zentrum einen sehr hohen Komplexitätsgrad an Eingriffen und Fällen, da wir auch ein sehr hohes Einzugsgebiet sind.

Was sind die besonderen Herausforderungen in der Kinderherzchirurgie?

Es sind nicht nur sehr kleine Strukturen in denen wir uns bewegen, die Physiologie ist wesentlich komplizierter als wie bei Erwachsenen und bei der Medikamentation muss die Dosis natürlich entsprechend angepasst werden. Die Kindherzchirurgie ist nicht die Disziplin eines Einzelnen, sondern eine Mannschaftsteamsport, bei der verschiedene Fachgebiete zusammenspielen müssen.  Die Abstimmung der einzelnen Schwerpunkte ist ein sehr wichtiger Aspekt bei dieser Arbeit.

Obwohl die Zahl Eingriffe bei Erwachsenen viel höher ist, sind die Eingriffe am Kinderherzen komplexere Operationen, da es eine unglaublich große Bandbreite an Fehlbildungen und Diagnosen gibt. Das Standardwerk der Herzchirurgie umfasst zwei Bände mit 1.800 Seiten, alleine 1.400 Seiten des Lehrbuches befassen sich mit Erkrankungen und Eingriffen am Kinderherzen.

Es gibt Kinder mit nur einer Herzkammer oder Herzen, bei denen Gefäße vertauscht sind. Bei der Rekonstruktion muss sehr genau und perfekt gearbeitet werden, damit keine weiteren Eingriffe mehr nötig sind und das Herz problemlos die nächsten 100 Jahre schlägt.