Die Gesundheit vieler Menschen, insbesondere in der zweiten Lebenshälfte, ist durch die langfristige Wirkung von Risikofaktoren bedroht, die die Entstehung von Erkrankungen von Herz und Kreislauf fördern (Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall u.a.), die heute ca. 50 Prozent aller Todesursachen ausmachen. Je ausgeprägter ein Risikofaktor ist und je mehr gleichzeitig aufeinander treffen, desto größer wird das Risiko. Das sind die stärksten Risikofaktoren:

  • Eine geringe körperliche Leistungsfähigkeit (Ausdauer und Muskelkraft) erhöht das Risiko, an irgendeiner Krankheit zu versterben (z.B. auch Lungenentzündung). Außerdem wird das Risiko erhöht im Alter fremde Hilfe zu benötigen.
  • Stärkeres Übergewicht fördert alle weiteren Risikofaktoren.
  • Ein erhöhter Cholesteringehalt des Blutes und Bluthochdruck.
  • Eine verminderte Empfindlichkeit der Muskelzellen für Insulin fördert nicht nur die Arteriosklerose, sondern auch  Zuckerkrankheit und Krebserkrankungen.

Die Punkte 2-4 können mit – jeweils verschiedenen - Medikamenten behandelt werden. ABER: Regelmäßige körperliche Bewegung behandelt ALLE Risikofaktoren, ohne Ausnahme, mindestens so wirksam wie jeweils einschlägige Medikamente. Regelmäßige Bewegung ist zur Vorbeugung von Herz/Kreislauferkrankungen die wirkungsvollste Einzelmaßnahme.

Univ.Prof.Dr. Paul Haber
Ehemaliger Leiter der Abt. Sport- und Leistungsmedizin der Klinik für Innere Medizin II der Medizinischen Universität Wien

Zur Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit, vor allem im Alter, ist Bewegung die einzige wirkungsvolle Maßnahme. Regelmäßig bedeutet: jede Woche, 52 Wochen pro Jahr, Jahr für Jahr, lebenslang.

 

Sport als Muss?

Zunächst eine Empfehlung ohne Sport: bringen Sie Bewegung in den Alltag! Anstatt der durchschnittlich üblichen 4–5000 Schritte pro Tag  lieber 10.000 Schritte zurücklegen, d.h. etwa eine zusätzliche Stunde gehen. Z.B. Wege bis 1,5 km Entfernung zu Fuß zurücklegen, mit der Straßenbahn eine Station früher aussteigen, das Auto etwas entfernt parken, keine Rolltreppe, keinen Aufzug benützen u.ä. Schon die Alltagsbewegung kann, wie auch Training, zur Gewichtsabnahme beitragen, wenn generell beachtet wird:  das Mehr an Bewegung darf nicht durch mehr Nahrungsaufnahme aufgewogen werden. Alltagsbewegung hat allerdings den Nachteil, dass die körperliche Fitness nicht nennenswert verbessert wird. Da aber durch eine Verbesserung der Fitness die vorbeugende Wirkung erheblich gesteigert werden kann, ist auch zusätzlich regelmäßiges Training, das eine mäßige Fitness verbessert und eine gute erhält, empfehlenswert.

Praktische Hinweise

Reservieren Sie an 2–4 Tagen der Woche Zeit, damit Sie 30–60 Minuten (insgesamt idealerweise etwa 2–3 Stunden pro Woche) eine Ausdauersportart ausüben können. Das umfasst Training am Heimtrainer ebenso wie Joggen, Nordic Walken, Radfahren, Aerobic und viele andere Formen. Die Anstrengung sollte so bemessen sein, dass Sie noch sprechen, aber nicht mehr singen können. Das Geheimnis der Wirkung liegt in der Regelmäßigkeit, erschöpfende Anstrengung ist nicht erforderlich.