Welchen Stellenwert hat die Wundantiseptik im Rahmen des Wundmanagements?

Eine infizierte Wunde ist in den meisten Fällen eine komplexe Wunde. Das Management darf sich nicht nur auf die Wundantiseptik beschränken, sondern muss eine Vielzahl weiterer Faktoren miteinbeziehen. Der Zusammenhang zwischen Wundmanagement und infektiologischer Aspekte liegt darin, dass akut traumatische oder chronische Wunden ein ideales Reservoir für die Aufnahme und Weiterverbreitung von Problemerregern sein können.

Ohne adäquate Therapie ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis Wunden mit pathogenen Mikroorganismen besiedelt sind, dadurch in ihrem Heilungsprozess gestört werden und zugleich zur Quelle für die Übertragung auf andere Wunden werden.

In diesem Sinne ist es ein wichtiges Anliegen der Hygiene, solche mikrobielle Biotope rechtzeitig zu erkennen, die Übertragung von Problemerregern zu verhindern und durch Ausheilung der Wunde die Quelle zu eliminieren. Der richtige Einsatz von Wundantiseptika ist dabei eines der wesentlichen Instrumente zum Erreichen dieser Ziele.

Warum kommt es bei chronischen Wunden oft zu keiner Heilung? Sind dafür immer Infektionen verantwortlich?

Die wesentlichsten Faktoren, die zu unbefriedigenden Ergebnissen bei der Behandlung chronischer Wunden führen, haben weniger mit Hygiene und Mikrobiologie zu tun, sondern liegen vielmehr in mangelnder Anamnese und Ursachenforschung der Wundgenese. Ohne Behebung oder Verbesserung von ursächlichen Faktoren einer Wundheilungsstörung ist keine suffiziente Wundheilung zu erwarten.

Werden entgleiste Stoffwechselsituationen, Mangelernährung und vor allem bestehende arterielle oder venöse Probleme nicht erkannt und beseitigt, wird eine Wunde nicht heilen. Dabei ist es dann unwesentlich, welches Antiseptikum oder Verbandsmaterial angewendet wird.

Ist es also gleichgültig, welches Antiseptikum angewendet wird?

Nein, auf keinen Fall. Unter Wundantiseptik verstehen wir alle antimikrobiellen Maßnahmen am lebenden Gewebe, die aus prophylaktischer Indikation eine unerwünschte Kolonisation oder Infektion vorbeugen bzw. aus therapeutischer Sicht eine bestehende Infektion behandeln sollen.

Um dies zu erreichen, ist die Kenntnis über die zur Verfügung stehenden Wundantiseptika entscheidend. In diesem Zusammenhang ist es mir wichtig festzuhalten, dass es keine „guten“ oder „schlechten“ Antiseptika gibt, sondern nur richtig oder falsch angewandte.

Hat damit das altbekannte Iod bei der Wundversorgung ausgedient?

Bei der Auswahl von Wundantiseptika sind einige Kriterien wesentlich, die zwei wichtigsten Eigenschaften sind eine entsprechende antimikrobielle Effektivität bei zeitglich möglichst hoher Gewebeverträglichkeit. Beide Ansprüche werden von einigen Wundantiseptika erfüllt, darunter auch PVP-Iod.

Der Wirkstoff Iod, eingepackt in das Trägermolekül Polyvinylpyrrolidon (PVP, Povidon) wird dabei von deutschen, schweizerischen und österreichischen Fachgesellschaften als Mittel der Wahl für Biss-, Stich-, Schürf- und Schusswunden eingestuft. Von ausgedient kann also nicht die Rede sein.

Warum wird dem Wirkstoff PVP-Iod ein so breites Wirkungsspektrum nachgesagt und wo lässt es sich anwenden?

PVP-Iod ist gegen die Breite des erforderlichen Erregerspektrums zuverlässig mikrobiozid wirksam und aufgrund der raschen Sofortwirkung und der in vitro nachgewiesenen Inhibition von Entzündungsmediatoren als ein Wirkstoff der Wahl für akut oberflächliche oder tiefe traumatische Wunden anzusehen.

Es kann daher auch zur kurzfristigen Spülung tiefer Wunden einschließlich Körperhöhlen (z.B. bei Pleuraempyem), in diesem Fall 1:10 verdünnt, mit guten Resultaten angewendet werden.