Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg
Professor für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Endokrinologie, Gastroenterologie und Stoffwechsel an der Medizinischen Universität Innsbruck

Was unterscheidet die beiden CEDs, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, voneinander?

Beides sind nicht ansteckende chronisch-entzündliche Erkrankungen des Verdauungstraktes, deren Ursachen nicht einwandfrei geklärt sind. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Lokalisation und des Ausbreitungsmusters. Während Morbus Crohn den gesamten Magen-Darm-Trakt befallen kann, ist bei Colitis ulcerosa immer der Dickdarm betroffen. Auch die Symptome sind verschieden.

 

Wer ist von den Krankheiten betroffen?

In Österreich gibt es in etwa 40.000 bis 60.000 Erkrankte. Dabei ist die Verteilung zwischen Frau und Mann gleich. Oft treten die Krankheiten zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr das erste Mal auf. Es trifft also Menschen, die mitten im Leben stehen und plötzlich mit den Folgen der Erkrankung und deren Tabuisierung umgehen müssen.

 

Wie sehen diese Folgen aus?

Es gibt unterschiedliche Krankheitsbilder. Von sehr milden, über schubweise bis hinzu chronisch aktiven schweren Verläufen, mit Beschwerden die länger als ein halbes Jahr durchgehend vorhanden sind. Je nach unterschiedlicher Erkrankung kommt es zu starken Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust, Fieber oder Blut im Stuhl. Auch die psychischen Auswirkungen sind oft beträchtlich. Durch die medikamentöse Behandlung können 85 bis 90 Prozent der Patienten gut betreut werden, trotzdem leidet die Lebensqualität.

 

Warum ist ein interdisziplinärer Ansatz bei der Behandlung wichtig?

In vielen Fällen vorallem bei Morbus Crohn seltener bei Colitis ulcerosa kommt es zu einem operativen Eingriff. Deswegen ist es wichtig, dass neben Internisten bzw. Gastroenterologen auch Chirurgen von Anfang an in die Betreuung eingebunden werden. Beide Krankheiten sind nicht psychosomatisch bedingt. Da aber die psychosozialen Folgen, wie Angst vor Verlust des Partners oder des Arbeitsplatzes, durchaus schwerwiegend sind, ist eine psychologische Unterstützung auf vielen Fällen extrem wichtig.