Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Eisterer
Darmkrebsspezialist an der Universitätsklinik Innsbruck

Es ist nach Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern die am häufigsten auftretende Krebsart. Rund 5.000 Österreicher erkranken jährlich daran, in etwa 3.000 Menschen davon sterben. Doch so düster es auch klingt: Durch regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen könnten 90% der Erkrankungen vermieden werden! Mehr noch: Die Wahrscheinlichkeit an Darmkrebs zu erkranken sinkt schon durch eine einmalige Koloskopie um ein Drittel, wie eine Studie aus Großbritannien beweist.

 

Wer ist Risikopatient?

»Darmkrebs ist eine bösartige Erkrankung der Darmschleimhaut, die sich meist im Laufe von 10 bis 20 Jahren entwickelt,« erklärt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Eisterer, Facharzt für Innere Medizin an der Universitätsklinik Innsbruck. Daneben gibt es eine seltenere Form, bei der genetische Einflüsse eine Rolle spielen. In diesem Fall entwickelt sich die Krankheit innerhalb von 5 bis 10 Jahren, häufig sind auch jüngere Patienten betroffen. Die Veranlagung kann jedoch durch einen einfachen Bluttest ermittelt werden.

Eine Darmspiegelung (auch Koloskopie genannt) ist vielleicht unangenehm, jedoch nicht schmerzhaft. In der Vorsorge ist sie wichtig, weil im Rahmen der Untersuchung Vorstufen des Tumors identifiziert und bereits entfernt werden können. »Ab dem 50. Lebensjahr sollte man sich dazu aufraffen, sie regelmäßig durchführen zu lassen auch wenn noch keine Warnsymptome wie Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, unklare Mittel- und Unterbauchbeschwerden oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten vorhanden sind,« rät Dr. Eisterer.

 

Einmal spiegeln, danke!

Zuerst wird ein Papierstreifenschnelltest durchgeführt, der nicht sichtbares Blut im Stuhl anzeigt. »Das macht man zu Hause in Form eines Briefchentests. Den sollte man einmal pro Jahr durchführen,« sagt der Arzt. Ab 50 wird zusätzlich eine Darmspiegelung im Abstand von 10 Jahren empfohlen. Dabei wird der Darm im ersten Schritt durch Abführmittel oder einen Einlauf entleert. Im Anschluss beginnt die Untersuchung mit dem flexiblen Koloskop, das an der Spitze einen Videochip besitzt und das Bild auf einen Monitor überträgt. Kleine Gewebeproben bzw.

Polypen können im selben Schritt entnommen werden. Während der rund 25 minütigen Untersuchung ist es jederzeit möglich, eine Sedierung oder Kurznarkose in Anspruch zu nehmen. Beim Rückzug des Koloskops wird Luft in den Darm eingeblasen, um ihn zur Entfaltung zu bringen und die Darmschleimhaut sorgfältig nach krankhaften Veränderungen absuchen zu können. Nach der Untersuchung kann es dadurch kurzzeitig zu Blähungen kommen, die allerdings meist schnell wieder verschwinden. «Wenn man den Krebs in einem frühen Stadium entdeckt, in dem er sich auf den Darm beschränkt, liegen die Heilungschancen extrem hoch!« sagt Dr. Eisterer.

 

Gutes für den Darm

»Da man weiß, dass es sich um eine Erkrankung der industrialisierten Welt handelt, vermutet man, dass Umwelteinflüsse eine große Rolle spielen,« sagt der Arzt. Zu diesen zählt vor allem die Art, wie man sich ernährt. Reichlich Ballaststoffe, viele grüne Nahrungsmittel wie Salate und Getreide und wenig rotes Fleisch zählen zu den empfohlenen Ernährungsgewohnheiten. »Rotes Fleisch scheint das Risiko für die Entwicklung von Darmkrebs zu erhöhen.« Untersuchungen haben zudem bewiesen, dass regelmäßige körperliche Betätigung das Risiko minimiert, zu erkranken. »Das muss gar nicht viel sein. Drei Mal in der Woche eine Stunde Bewegung hat schon einen positiven Einfluss auf die Gesundheit,« rät der Experte. Wer zudem noch rauchfrei lebt und weder Nikotin inhaliert noch geräucherte Wurst- oder Fischprodukte in großen Mengen konsumiert, ist auf einem guten Weg, den Darm gesund zu halten.