Seit wann werden Herzpumpen in Österreich verwendet?

Eine Herzpumpe zur Unterstützung der Herzaktivität wird bereits seit den 80er Jahren verwendet. Damals befanden sich die Pumpen aber außerhalb des Körpers und wurden mittels Luftdruck betrieben. Im Laufe der Zeit wurde die Technologie weiterentwickelt und es setzten sich implantierbare Pumpen durch, einerseits druckluftgetriebene Pumpen und andererseits elektrische Pumpen, die mit Hilfe eines Magneten betrieben wurden. Seit knapp 15 Jahren gibt es nun sehr kleine Pumpen, die auf einem Rotationsprinzip beruhen und die mittels eines kleinen Schnittes am seitlichen, linken Brustkorb direkt an der Herzspitze implantiert werden. Hier gibt es derzeit zwei Typen, die auf unterschiedlichen Technologien beruhen. Bei axialen Flusspumpen wird das Blut durch eine um ihre Achse rotierende Drehspindel geleitet und so weiterbefördert. Bei Rotationspumpen wird das Blut mittels eines Rotors beschleunigt und so durch die Zentrifugalkraft aus der Pumpe geworfen. Während bei einem Patienten mit einer Verdrängerpumpe noch ein Puls zu fühlen ist, arbeiten Rotationspumpen meistens nicht pulsatil, jedoch wird durch eine wechselnde Blutzufuhr bei noch vorhandener, aber schwacher eigener Herzleistung eine minimale Pulsamplitude erzielt.

Bei welchen Herzerkrankungen werden Herzpumpen eingesetzt?

Sie werden beim schweren chronischen oder auch akuten Herzversagen verwendet, wenn die Chance für ein Spenderherz ungünstig ist oder wenn die Herztransplantation zum Zeitpunkt des Eingriffs keine guten Ergebnisse verspricht. Es gibt dafür verschiedene Indikationsgruppen. Bei „Bridge to Transplant“ werden Pumpen verwendet, um den Gesundheitszustand des Patienten zu verbessern und den Patienten auf eine Transplantation vorzubereiten. Bei der „Bridge to Decision“-Indikation werden Pumpen in Akutsituationen eingesetzt, um Patienten – die teilweise nicht mehr ansprechbar sind – zu stabilisieren. Es kann somit wertvolle Zeit gewonnen werden und je nach Entwicklung des Patienten wird über weiterführende Therapieformen entschieden. Die sogenannte „Bridge to Recovery“ –Indikation wird besonders bei entzündlichen Herzmuskelerkrankungen angewandt, um mittels der Pumpe und zusätzlicher medikamentöser Therapie dem Herzen wieder zur normalen Funktion zu verhelfen. Die „Destination Therapy“ ist eine alternativlose Form der Therapie, für Patienten, deren Gesundheitszustand eine Herztransplantation nicht zulässt.

Was bedeutet eine Herzpumpe für die Lebensqualität eines Patienten?

Es ist nach wie vor so, dass ein Kabel durch die Haut der Patienten tritt, um den Patienten mit einer Batterie – der Energiequelle für die implantierte Pumpe - und der Kontrolleinheit verbindet. Dadurch ergibt sich natürlich ein gewisses Gefühl der Abhängigkeit für den
Betroffenen und es kann auch zu lokalen Reizungen an der Austrittstelle kommen. Der Patient muss spezielle Medikamente zur Entlastung des Herzens und blutverdünnende Medikamente einnehmen. Eine Herzpumpe unterstützt aber nur die Funktion der linken Herzkammer, weswegen oft die Wiederherstellung der vollen körperlichen Belastungsfähigkeit des Patienten – trotz der sehr guten Ergebnisse – nicht möglich ist. Für Menschen, die vor kurzem noch vom Tod bedroht waren, bedeutet eine Herzpumpe aber natürlich eine fantastische Steigerung der Lebensqualität.

Wie sehen Sie die derzeitige Entwicklung auf dem Gebiet?

Es gibt derzeit zwei Entwicklungstendenzen. Ein Trend geht zu immer kleiner werdenden Pumpen, die durch noch kleinere Schnitte implantierbar sind und so auch die Belastung durch den Eingriff für den Patienten weiter verringern. Die zweite Tendenz geht zu einem vollständigen Ersatz des Organs durch ein komplett implantierbares Kunstherz mit vollkommen biologischen Oberflächen. Dies sollte immer dann Vorteile bringen, wenn beide Herzkammern betroffen sind und kein geeignetes Spenderherz zur Verfügung steht oder der Patient nicht mehr für eine Transplantation in Frage kommt.

Was bewegt Sie, um mit Herzblut Ihren Beruf auszuüben?

Das Schöne an meinem Beruf ist, dass wir auf einem speziellen  Gebiet der funktionellen Chirurgie tätig sind und wir Erfolge unmittelbar und sehr schnell sehen können. Wir sind in der Lage, Krankheitsverläufe durch unsere Entscheidungen und Tätigkeit extrem zu beeinflussen. Das ist die beste Motivation, um den Herzen der Menschen wieder auf die Sprünge zu helfen.