Unsere Gesellschaft wird immer älter. Und mit steigendem Alter steigen auch die altersbedingten Beschwerden und Erkrankungen. So logisch, so bekannt. Eine dieser Erkrankungen sind oft nicht rechtzeitig erkannte Herzrhythmusstörungen. Die in vielen Fällen auch zum Schlaganfall führen. Und da schlägt die große Stunde der Antikoagulantien. „Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern.

Dabei wird das Blut aus der linken Vorkammer nur langsam weitertransportiert. In den Ecken und Nischen dieser Vorkammer bilden sich dann Blutgerinnsel. Wenn so ein Gerinnsel in die Hirngefäße vordringt, verstopft es dort ein Gefäß. Das dahinterliegende Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Es stirbt ab. Dann haben wir ein Problem, nämlich einen Schlaganfall“, erklärt Prim. Dr. Roithinger die Folgen sehr plastisch.

Schlaganfall-Risiko nach Punkten

Die beste Vorbeugung, um einen Schlaganfall zu vermeiden, ist, das Blut zu verdünnen. Und das passiert mit Blutverdünnungsmitteln, auch Antikoagulantien genannt. „Sobald bei einem Patienten Vorhofflimmern diagnostiziert wird, fängt man mit der Verdünnung an“, stellt der Internist und Kardiologe klar. „Wir richten uns da nach bestimmten Risikofaktoren. Ab dem 65. Lebensjahr gibt´s einen Risikopunkt, ab 75 Jahren zwei.

Hoher Blutdruck bringt einen Risikopunkt, Herzschwäche auch und ein bereits überstandener Herzinfarkt ebenso. Ein vorangegangener Schlaganfall bringt zwei Risikopunkte für das eigene Risikokonto.“ Schon bei einem Risikopunkt sollte man, bei zwei Risikopunkten muss man das Blut verdünnen. Denn mit jedem Punkt steigt das Schlaganfallrisiko. Laut Roithinger gilt diese Punktetabelle für all jene, bei denen schon mindestens einmal ein Vorhofflimmern aufgetreten ist.

Vorhofflimmern erkennen

Laut dem Experten ist die Dunkelziffer an Menschen, die schon einmal ein unentdecktes Vorhofflimmern hatten, groß. Daher macht es Sinn, ab einem Alter von 65 Jahren aktiv danach zu suchen. „Der Hausarzt sollte regelmäßig den Puls fühlen und bei der täglichen Blutdruckmessung sollte man beobachten, ob der Puls regelmäßig angezeigt wird oder sich der Wert schlagartig ändert. So lässt sich das Vorhofflimmern in vielen Fällen entdecken, obwohl es der Patient gar nicht spürt. Und dann geht es mit der Blutverdünnung mittels Antikoagulantium los“, so Roithinger.

Doch das klassische Antikoagulantium gibt es nicht. Unter diesem Überbegriff sammeln sich Medikamente, die auf die Blutplättchen wirken genauso wie solche, die das nicht tun. Beispielsweise das sehr bekannte Aspirin. „Diese Blutverdünnung wirkt aber nur auf die Blutplättchen und wird meistens bei Patienten eingesetzt, die ein Problem mit den Herzkranzgefäßen haben. In solchen Fällen gibt es die Plättchenhemmer.“ Doch beim gefürchteten Vorhofflimmern sind diese Mittel nicht ausreichend, um das Schlaganfallrisiko deutlich zu verringern.

Die neuen Antikoagulantien

Beim Vorhofflimmern braucht es eine andere Blutverdünnung, die nicht nur auf die Blutplättchen, sondern auch auf andere Gerinnungsfaktoren wirkt. Seit über 50 Jahren kommen dabei bewährte Medikamente zum Einsatz, die auf das Vitamin K wirken. „Die haben den Nachteil, dass Blutwerte regelmäßig kontrolliert und die Blutverdünnung optimal eingestellt werden muss“, erläutert Dr. Roithinger. „Auch führen diese Medikamente zu mehr Blutungskomplikationen.

Besonders Blutungen ins Gehirn sind ein Problem.“ In den letzten Jahren wurden aber Medikamente entwickelt, die diese Nachteile nicht mehr aufweisen. Diese neuen Blutverdünner wirken direkt auf einen Faktor der Blutverdünnung. „Damit verringert sich das Risiko für Blutungen ins Gehirn, auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind damit kein Thema mehr. Und auch die lästigen Kontrollen fallen endlich weg. Gerade mit den neuen Medikamenten übertrifft, wenn richtig eingesetzt, der Nutzen bei Weitem das Risiko!“