Während sich Dornröschen an einer Dorne stach und in einen hundertjährigen Schlaf fiel, ist der kleine Stich in der Fingerkuppe für Diabetespatienten heutzutage oft lebensnotwendig. Die neuen Blutzuckermessgeräte ermitteln innerhalb kürzester Zeit den Blutzucker und ermöglichen eine bessere Kontrolle der Krankheit. Die Messung des Blutzuckers ist zwar keine Therapie, aber sie liefert eine wichtige Grundlage für die richtige Behandlung des Patienten. OA Dr. Helmut Brath, Facharzt für Innere Medizin, über ein neues Kapitel der Blutzuckermessung.

Wie haben sich die Blutzuckermessgeräte im Laufe der Zeit verändert?

Bis vor gar nicht so langer Zeit musste jeder einzelne Wert im Labor erhoben werden. Die ersten Blutzuckermessgeräte für Patienten benötigten für die Messung viel Blut, heutzutage brauchen die Geräte nur mehr winzige Blutmengen. Ein winziger Stich genügt, um innerhalb kürzester Zeit aussagekräftige Werte zu liefern. Ist das Gerät mit dem Internet verbunden, kann jederzeit per Smartphone oder Laptop auf die Werte zugegriffen werden. Es gibt auch Programme, welche die Werte oder einen Verlauf grafisch darstellen. Die richtigen Schlüsse aus den Blutzuckermessungen zu ziehen, verhilft Menschen mit Diabetes zu einer besseren Einstellung der Therapie, zu einer erhöhten Lebensqualität und zu einem längeren Leben.

Wie gehen ältere Menschen mit den technologischen Entwicklungen der Blutzuckermessgeräte um?

Für ältere Menschen gibt es Blutzuckermessgeräte, die an deren Bedürfnisse angepasst sind. Auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, wie zunehmender Sehschwäche oder Gefühlslosigkeit in den Fingern, gibt es passende Geräte mit größeren Tasten und größeren Einsteckbereichen für die Messstreifen. Aber auch für junge Menschen oder solche mitten im Berufsleben, die kleine, pfiffige, leicht einzusteckende Geräte bevorzugen. Wir können mittlerweile aus einem vielfältigen Angebot das Beste für den Einzelnen wählen.

In der Regel wird die Anschaffung eines Gerätes von der Krankenkasse übernommen. Voraussetzung ist eine Einschulung durch Arzt oder Diabetesberater. Die großen Kostenfaktoren für die Krankenkassen sind aber nicht die Geräte, sondern die Messstreifen. Deswegen sind systematisches Messen, gutes Dokumentieren und regelmäßige Besprechungen der Werte mit dem betreuenden Arzt nötig, um mit der kleinstmöglichen Messzahl die größtmögliche Diagnose und Therapieverbesserung zu erreichen.

Wo kann sich der Patient über die richtige Verwendung der Messgeräte am Besten informieren?

Bei Diabetes – sowie bei allen chronischen Erkankungen – ist es entscheidend, regelmäßig in ärztlicher Behandlung zu sein. Es ist nicht nur wichtig, den Blutzucker systematisch zu messen, sondern die Werte zu bewerten und die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen. Eine besondere Rolle spielen auch Diabetesberater, die bei Auswahl und Verwendung der Blutzuckermessgeräte, aber auch bei der Interpretation der Werte gut unterstützen können.

Welche Regeln sind für eine korrekte Blutzuckermessung zu beachten?

Ich empfehle das regelmäßige Durchführen eines Tagesprofiles: Messungen vor jeder Hauptmahlzeit, zwei Stunden danach sowie vor dem Schlafen gehen. Das so entstehende 7-Punkteprofil gibt Aufschluss über den Tagesverlauf des Blutzuckers und ist häufig nur einmal pro Woche nötig. Das tägliche Messen des Nüchternblutzuckers alleine macht hingegen keinen Sinn. Dies wäre, als ob man ein gutes Buch in der Hand hält und immer wieder nur die erste Seite liest, aber gerade bei Diabetes ist es ausschlaggebend, die gesamte Geschichte zu kennen. Zusätzliche Messungen sind sinnvoll, um zum Beispiel zu lernen, wie der Körper mit verschiedenen Mahlzeiten, mit Bewegung und Sport oder auch mit etwa einem grippalen Infekt umgeht.

Dadurch kann eine noch präzisere Einstellung der Therapie vorgenommen werden. Das Messen des Blutzuckers ist zwar noch keine Therapie, aber durch die einfache Handhabung der Blutzuckermessgeräte wird mit Hilfe einer guten Diagnostik, der wichtigen Eigenverantwortung des Patienten in Kooperation mit dem betreuenden Arzt ein Grundstein für eine genaue Einstellung des Blutzuckers gelegt. Ein gutes und problemarmes Leben mit Diabetes wird dadurch wesentlich erleichtert.