Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma sind die Folgen einer schweren Unterzuckerung (Blutzuckerwerte nach European Medicines Agency (EMA): < 54 mg/dl, nach American Diabetes Association (ADA): unter < 70 mg/dl), bei der der Blutzuckerspiegel stark absinkt. Sie werden dann lebensbedrohlich, wenn der Betroffene zum Beispiel gerade hinterm Lenkrad sitzt. Doch wer denkt bei ersten Anzeichen wie Schwitzen, Zittern, Schwäche- oder Heißhungerfühlen schon an eine Unterzuckerung mit solchen Folgen?

Die Risikogruppe

Typ-1- sowie Typ-2-Diabetiker, die Insulin spritzen oder Tabletten zur Anregung der Insulinproduktion schlucken, gehören zur Risikogruppe für Unterzuckerung. Insbesondere dann, wenn die Tabletten Wirkstoffe aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe enthalten. Wer seinen Typ-2-Diabetes dagegen noch ohne Tabletten oder Insulin behandelt, hat ein deutlich geringeres Risiko, eine Unterzuckerung zu erleiden.

Weil der Körper einer Unterzuckerung entgegensteuert, setzt er Stresshormone wie Adrenalin frei. Das steigert  Puls und Blutdruck. Bei älteren oder herzkranken Personen kann das Komplikationen nach sich ziehen, darunter akute Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkt.

Wer zur Risikogruppe gehört, sollte sich mit einer möglichen Unterzuckerung auseinanderzusetzen – am besten unter fachlicher Anleitung. Schulungen nehmen die Angst vor dem Ernstfall und vermitteln einen individuellen Umgang damit. Sie sensibilisieren die Betroffenen für die mögliche Komplikation und können so lebensrettend sein. Denn wer die Symptome nicht beziehungsweise zu spät erkennt oder anderen Ursachen zuschreibt, riskiert Leib und Leben.

Häufige Ursachen einer Unterzuckerung

Eine Unterzuckerung bei Diabetes-PatientInnen kann diese Ursachen haben:

  • ausgelassene Mahlzeit
  • überschätzter Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit
  • Sport
  • Alkohol
  • Gewichtsabnahme
  • zu hohe Dosis blutdrucksenkender Medikamente
  • Hitze
  • falsche Insulindosis, falsches Insulin oder muskuläre Injektion
  • Erbrechen und Durchfall
  • verlangsamter Stoffwechsel (Magenlähmung infolge Nervenschädigung)
  • Unterfunktion der Schilddrüse
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten

Erste Hilfe: Schnell wirkende Kohlenhydrate

Zeigen sich Symptome einer Unterzuckerung, ist schnelles Handeln angesagt: Diabetiker sollten dann schnell wirkende Kohlenhydrate wie Traubenzucker, zuckerhaltige Limonade oder Gummibärchen einnehmen. Wichtig für Angehörige & Anwesende zu wissen: Rufen Sie im Ernstfall sofort den Notarzt und versuchen Sie keinesfalls, einem bewusstlosen Diabetiker Zucker einzuflößen, das Getränk könnte in seine Luftröhre gelangen. Gegebenenfalls dürfen Angehörige auch eine Glukagonspritze setzen, um den Blutzucker des Patienten zu erhöhen. 

Infografik Unterzuckert