Etwa 40.000 Menschen in Österreich sind an Diabetes Typ I erkrankt. Diese seltenere Variante tritt vor allem im Kindes- und Jugendalter auf. Bei Meinrad Knapp wurde sie im Alter von 18 Jahren diagnostiziert. Da auch seine ältere Schwester Diabetikerin ist, ist er quasi mit der Krankheit aufgewachsen und konnte sich rasch mit ihr arrangieren. In seinem Alltag als Moderator bei Kronehit und ATV oder als Vortragender an der FH für Journalismus empfindet er sie heute kaum noch als Belastung.

Wie wurde ihr Diabetes entdeckt?

Ich hatte ganze klassische Symptome: Ich war dauernd müde und habe ständig abgenommen. Irgendwann hatte ich nur noch 59 Kilo und war schon ganz knapp vor der Size Zero. Die Diagnose war dementsprechend schnell und eindeutig. Ich wurde dann gleich im Krankenhaus aufgenommen und dort erstmal wieder aufgepäppelt.

Welche Einschränkung bringt die Krankheit mit sich?

Es ist schon anders. Man kann nicht einfach mit seiner Kreditkarte um die Welt reisen und sich sagen, den Rest kauf ich mir. Ich weiß aber nicht, ob ich das jemals gemacht hätte. Aber wenn diese Stoffwechselerkrankung mein Deal mit dem Schicksal ist, dann kann ich mich damit arrangieren. Es gibt schlimmeres. Die Krankheit gehört zu mir wie ein guter Freund. Sie hat mich begleitet, als ich einen Marathon gelaufen bin, in den USA studiert und mein Studium dann abgeschlossen habe. Klar, manchmal denkt man sich schon, ein paar Tage würd ich auch ohne sie auskommen.

Worauf müssen Sie im Alltag achten?

Beim Essen muss man natürlich schon etwas aufpassen. Für alles, was man isst, muss man eben eine entsprechende Dosis Insulin spritzen. Das hat natürlich den Nachteil, dass man dann vielleicht einmal einen zweiten Punschkrapfen ist, weil man ohnehin zur Spritze greifen muss. Da heißt es dann diszipliniert sein. Positiver Nebeneffekt ist allerdings, dass ich mich bei allen Gesprächen über Diäten problemlos beteiligen kann. Als Diabetiker weiß man mit der Zeit ziemlich genau, was wieviel Zucker enthält und was man daher besser meidet.

Neben Ernährung ist Bewegung wahrscheinlich auch ein wichtiger Faktor?

Ja, Bewegung hat eine unglaubliche Wirkung. Richtig gemerkt hab ich es erst als ich eine Wettschuld eingelöst habe. Die bestand darin, von Wien nach Linz zu gehen. Da merkt man dann wie der Körper wirklich funktioniert. Wenn man wirklich zehn bis zwölf Stunden Bewegung am Tag hat, fällt einem erst richtig auf, dass unser Körper auf ein ganz anderes Pensum als den Weg vom Bürosessel zum Kopierer ausgelegt ist.

Das hat sie dann dazu ermutigt, einen Marathon zu laufen?

Ja, der Marathon kam nachher. Vor allem deshalb, weil ein paar Leute gesagt haben: „Das schaffst du nie!“ Das hat meinen Ehrgeiz geweckt. Als ich dann in Florenz ins Ziel gelaufen bin, war das natürlich ein erhebendes Gefühl, das wirklich geschafft zu haben.

Wie haben sie sich darauf vorbereitet?

Ich habe zwar drei Monate lang trainiert, aber eigentlich zu spät angefangen. Ich war auch noch zwischenzeitlich verletzt und musste pausieren. Ich bin dann aber sehr konsequent vier bis fünfmal die Woche lange Strecken bei niedriger Pulsfrequenz gelaufen. Nach einem Monat merkt man dann schon einen Unterschied. Dabei bin ich auch ein Fan von Hörbüchern geworden. Wenn du jeden Tag zwei Stunden lang die Praterallee auf und ab läufst, brauchst du irgendeine Beschäftigung, sonst wirst du verrückt.

Meinrad Knapp und die Cheerleader der Vienna Vikings
Nicht nur beim Marathon sportlich unterwegs:                          Für den Kindertraum 2013 gab es extra Turnstunden von den Cheerleadern der Vienna Vikings

Wie halten sie sich fit, wenn sie nicht gerade für einen Marathon trainieren?

Ich geh zweimal die Woche mit einem Freund trainieren. Das ist vor allem Krafttraining in dezenten Dosen, aber ich verberge das natürlich geschickt, damit das nicht so protzig wirkt. Das verschiebe ich nicht, auch wenn ich es manchmal super fände, wenn mir die Mama wie beim Turnunterreicht eine Entschuldigung schreiben könnte. Aber das ist sinnlos, er würde keine Entschuldigung akzeptieren! Und wenn ich wirklich motiviert bin, versuche ich ein-, zweimal die Woche ausdauermäßig was zu machen. Ansonsten fahr ich recht wenig Auto und geh dann lieber mal nach dem Essen am Abend die zwanzig Minuten zu Fuß nach Hause.

Haben Sie auch einen Notfallplan, wenn Sie auf Sendung sind und plötzlich merken, dass ihr Blutzucker absackt?

Im Radio ist das kein Problem, da kann ich kurz rausgehen. Im Fernsehen ist das schon schwieriger, vor allem bei langen Sendungen wie der Wahlberichterstattung. Da hat man dann aber immer ein Wasserglas vor sich stehen. In meinem ist zur Sicherheit allerdings Zitronenlimonade drinnen, sollte ich wirklich einmal unterzuckert sein. Bis jetzt ist das aber nicht passiert. Tatsächlich sind langweilige Gäste, die immer nur die gleichen Floskeln verwenden, ein viel lästigeres Problem.