Welche Folgeerscheinungen treten bei Diabetes besonders häufig auf?

Grundsätzlich wird zwischen Schädigung der großen und den kleinen Blutgefäßen als Folgeerkrankung durch Diabetes unterschieden. Das Risiko an Arteriosklerose zu leiden und zum Beispiel einen Herzinfarkt oder Schlaganfall durch die Schädigungen der großen Blutgefäße zu erleiden, steigt bei DiabetikerInnen um das Drei- bis Fünffache an.

Die Schädigung der kleinen Blutgefäße betrifft vor allem Organe wie die Niere, das Auge oder auch das Nervensystem. Die Zerstörung der kleineren und feinen Blutgefäße ist eine direkte Folge des erhöhten Blutzuckers und quasi typisch für den Diabetes. Arteriosklerose hingegen bekommen auch Menschen, die nicht an Diabetes leiden.

Allerdings tritt diese Erkrankung mit ihren Folgen bei Menschen mit Diabetes besonders schnell und frühzeitig auf. Was oft unterschätzt wird, sind diese gefährlichen Folgen einer Diabetes-Erkrankung.
 
Wie lebensbedrohlich können Folgeerkrankungen sein?


Sehr – ein 40-Jähriger, in diesem Alter neu an einem Diabetes erkrankt, verliert zwischen sechs und acht Jahren an Lebenserwartung. Ganz zu schweigen davon, dass er auch einen Verlust an Lebensqualität durch die Krankheitsbeeinträchtigung erfährt.
 
Wie können Folgeschäden der Diabeteserkrankung verhindert werden?


Das Wesentliche in der Behandlung bei Diabetes ist die Verhinderung der Folgeschäden, die durch eine Kombination aus Lebensstilführung des Patienten und einer gut abgestimmten, medizinischen Beaufsichtigung erfolgt. Der Patient trägt für seine eigene Gesundheit hier eine hohe Eigenverantwortung, denn es geht darum sich gesund und vernünftig zu ernähren und vor allem sich ausreichend zu bewegen.

Die gängigen Therapien behandeln die klassischen Risikofaktoren wie Blutzucker, Blutfette und Blutdruck. Im Hinblick auf den Blutzucker galt bis vor kurzem, dass das Erreichen des individuellen Zielwertes die einzig wichtige Komponente darstellt. Seit neuestem wissen wir aber aus wissenschaftlichen Studien, dass mit neuen Behandlungsmethoden, zusätzlich zur Blutzuckerkontrolle, auch Todesfälle bei Menschen mit Diabetes verhindert werden können.

Wie unterscheiden sich die klassischen Folgeschäden der Diabeteserkrankung von Diabetes Typ 1 und Typ 2?

Diabetes Typ 1 unterscheidet sich doch deutlich von Diabetes Typ 2 und so unterschiedlich ist auch die PatientInnenstruktur. Bei jungen Menschen, die an Diabetes Typ 1 erkranken, ist der größte Risikofaktor der erhöhte Blutzuckerspiegel, während Diabetes-Typ-2-PatientInnen über viele Jahre hinweg bereits von den klassischen Risikofaktoren wie Übergewicht oder erhöhtem Blutdruck begleitet werden.

Der erhöhte Blutzucker kommt erst relativ spät dazu. Das zentrale Anliegen ist aber bei beiden Krankheitsformen, jeden Risikofaktor von Beginn an so gut wie möglich zu behandeln. 

Wird aus Ihrer Sicht Diabetes bereits als ernsthafte Erkrankung in der Öffentlichkeit wahrgenommen oder herrscht noch Aufholbedarf?

Das Wissen um die Wichtigkeit einer gesunden Lebensstilführung und einer gewissen Prävention ist vorhanden, aber an der Umsetzung hapert es deutlich. Es gibt allerdings auch noch viele Vorurteile. Besonders Diabetes Typ 2, der oft als Folgeerscheinung von Übergewicht, mangelnder Bewegung etc. beschrieben wird, ist keine besonders positiv besetzte Erkrankung.

Überspitzt gesagt: „Übergewichtig und unsportlich, selbst schuld!“ – was naturgemäß falsch ist, denn das große Pech bei DiabetikerInnen sind die Gene, die eine große Rolle bei dieser Erkrankung spielen. Jedoch ist bei der Prävention von Diabetes die Eigenverantwortung der Menschen trotz allem gefragt.

Dabei ist einer der bedeutendsten Punkte in der Prävention bzw. auch in der Behandlung von Diabetes die Heranführung von bewegungsfernen Menschen hin zu zumindest mäßig körperlicher Betätigung.