Therapieinhalte individuell gestalten

Früher hat der Arzt Richtlinien vorgegeben und der/die  Betroffene sollte diese umsetzen. Heute versuchen wir den Weg zu einer guten Einstellung gemeinsam zu beschreiten und von Beginn an ein Team aus PatientIn, DiabetesberaterIn, Arzt oder Ärztin und manchmal noch einigen mehr zu bilden.

 

 

Die Inhalte dieser Therapie ruhen heute auf drei Säulen:

  • bewusste Ernährung
  • Bewegung
  • und zuletzt auf der immer individueller werdenden Möglichkeit der Medikation

Letztendlich verspricht aber nur der Schritt zur Kombination dieser Inhalte eine langfristig positive und stabile Entwicklung in diesem dynamischen Krankheitsprozess.

Wir sehen unsere Aufgabe in der Kommunikation mit den PatientInnen und der gewiss immer wichtiger werdenden individuellen Gestaltung der Therapie des Diabetes. Da jeder Mensch seinen eigenen Lebensrhythmus hat, seinen individuellen Tagesablauf, seine Gewohnheiten, haben wir vor langer Zeit bereits die fix festgelegten Schemata der Behandlung verlassen müssen.

Trotzdem gibt es Eckpfeiler, an denen sich unsere PatientInnen orientieren können. Sie sind als GUIDELINES der österreichischen Diabetesgesellschaft unter www.oedg.org auch jederzeit und überall abrufbar. Für uns als betreuendes Team besteht die Aufgabe, die Umsetzung der Leitlinien in der täglichen Praxis zu begleiten und letzendlich die individuellen Ziele zu definieren .

Innovative Strategien, umfassende Konzepte

Vonseiten der Ursachenforschung steht natürlich weiterhin Übergewicht und Bewegungmangel im Mittelpunkt, vorausgesetzt die Anlage zur diabetischen Erkrankung wurde genetisch mitgegeben. Insulinresistenz und Insulinmangel beeinflussen bereits bei Diagnosestellung unsere medikamentöse Therapiewahl, wobei wir heute viel sensibler und gezielter auf diese Schwachpunkte eingehen können und vor allem auf die Vermeidung von negativen Nebenwirkungen wie Hypoglycämien

„Für Patienten die Ihre Therapie sehr individuell gestalten, ist die kontinuierlich Glukosemessung eine optimale neue Hilfe.“

(Unterzuckerungen) achten.

Wenn das breite Spektrum an Tabletten verbunden mit Lebensstilverbesserungen kein optimales Therapieergebnis bringt, so bietet sich heute noch vor dem Beginn einer Insulinunterstützung die Behandlung mit Inkretin an, die genauso wie Insulin nicht nur mit Spritzen, sondern auch mit Pens verabreicht werden kann. Es ist das erste Medikament der Diabetestherapie, welches nicht gewichtsfördernd oder gewichtsneutral, sondern potentiell gewichtsreduzierend wirkt .

Wissen und Motivation

Besonders erwähnen will ich, dass wir in der Betreuung unserer DiabetikerInnen das ganz auf den Blutzucker zentrierte Denken verlassen sollten, und vielmehr die zusätzlich sehr häufig zu beobachtenden Herz- und Gefäßrisikofaktoren Blutdruck und Blutfette (Cholesterin) intensiv in unsere Behandlung einbeziehen müssen. An dieser Stelle sei betont, dass es sich dabei nicht um eine einfache Verschönerung der Laborbefunde mit LDL als schlechtem Cholesterin und HDL als gutem Cholesterin oder die Optimierung eines Blutdruckprotokolls handelt, sondern vielmehr der Gefäßschutz im Vordergrund unseres Interesses liegt. Wir sehen immer mehr positive Ergebnisse am wissenschaftlichen Horizont bei der Reduktion der Herz-/ Kreislauferkrankungen unserer DiabetikerInnen, wenn es uns gelingt aktiv, die positiven Ergebnisse im Alltag umzusetzen.

Für diese Umsetzung benötigen wir aber das Verständnis unsere PatientInnen. Eine Diabetikerschulung stellt dabei die Basis dar, auf der wir gemeinsam die in wissenschaftlich kontrollierten Studien dokumentierten Erkenntnisse  auch in die Alltagspraxis einbinden können. Dieser Lernprozess ist gewiss nie abgeschlossen, deshalb sollten immer wieder Auffrischungen der Schulungen erfolgen, damit  das Wissen und die Motivation für eine optimale aktive Gestaltung des Lebens ein wichtiger Teil des Umgangs mit Diabetes wird.