Hans Knauss
ehemaliger österreichischer Skirennläufer, geboren am 9. Februar 1971.
Erfolge: Sieben Weltcup-Siege, 29 Podestplätze, Drei Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Die Umstellung war extrem: Jahrelang trainierte Hans Knauss als Teil des österreichischen Skiteams fast jeden Tag bis an die Grenze der Belastbarkeit.

Mit seinem Ausstieg aus dem Profisport war damit erst einmal Schluss: „Die Kinder waren noch ganz klein. Also habe ich drei, vier Monate erst einmal gar nichts gemacht – außer ab und zu den Kinderwagen zum nächsten Café geschoben“, erinnert sich der Spitzensportler.

Endlich wieder genug Zeit für die Familie und einen Job, der Spaß macht: Eigentlich hätte die Welt in Ordnung sein müssen. „Aber plötzlich hab ich gemerkt: Irgendwas stimmt mit mir nicht.

Ich hab zu zappeln angefangen und mich nicht mehr wohlgefühlt.“ Also packte er seine alten Sachen, setzte sich in die Kraftkammer und trainierte zwei Stunden „wie ein Böser“. Heraus kam ein neuer, glücklicherer Mensch. Seit diesem Tag hat körperliche Betätigung wieder einen fixen Platz im Leben des Sportlers.

Jederzeit einsatzbereit

Mindestens fünf Mal in der Woche versucht sich Knauss zu bewegen – zu seinem Programm gehören zwei Besuche in der Kraftkammer und drei Ausdauereinheiten. Je nach Arbeitsbelastung und Schönwetter kann sich die Routine ein wenig verschieben, ganz auf seinen Sport verzichten, will der ehemalige Skiprofi aber nie wieder. „Ich profitiere enorm. Ich habe einfach das Gefühl, ich bin jederzeit einsatzbereit – egal, was kommt. Bewegung gibt Selbstvertrauen und ein gutes Gefühl“, erzählt er. Ganz konnte sich Knauss auch nicht von seinem Sport lösen: Kameraabfahrten fürs Fernsehen erfordern ebenso ein gewisses Fitnesslevel wie die Begeisterung für Skitouren und Tiefschneefahren. „Ich bin froh, dass ich einen Beruf gefunden habe, in den ich meine sportliche Begeisterung integrieren kann“, sagt er.

Sport: dreimal die Woche

Nicht jeder hat diese Möglichkeiten im beruflichen Alltag – dennoch ist die Grundfitness wichtig. „Je mehr ich im Büro sitze, desto mehr Ausgleich brauche ich“,  ist der ehemalige Ski-Profi überzeugt. Bewegung lässt sich überall integrieren: Oft reicht schon ein kurzes Durchstrecken im Büro und eine kleine Ausdauereinheit am Abend. „Dreimal in der Woche sollte man sich als gesunder Mensch schon bewegen. Und dabei vor allem auch das Bewegungsspektrum nutzen, für das der Körper eigentlich ausgelegt ist.“ Denn sonst drohen Verletzungsgefahr und Versteifung. Also nicht nur radeln, sondern ab und zu auch ein paar Kräftigungsübungen einbauen. „Je mehr ich zum Beispiel den Rücken trainiere, desto besser geht es mir, wenn ich viel sitzen oder mit dem Auto fahren muss.“

Es langsam angehen

Für Anfänger hat der Profi einen Tipp: Langsam und mit niedriger Belastungsintensität anfangen. „Das wichtigste ist: Nicht fanatisch werden. Sport darf neben der Arbeit nicht zu Stress werden“, meint Knauss. „In meiner Zeit als Spitzensportler ging es ständig nur darum Leistung zu bringen. Aber man hatte auch Zeit, zu regenerieren. Neben der Arbeit haben das viele Menschen nicht.“ Jeder muss für sich das richtige Maß finden – und am besten klein anfangen. Statt eine Stunde durchzulaufen, empfiehlt der Sportler erst einmal fünfzehn Minuten, dann eine fünfminutige Gehpause und weitere fünfzehn Minuten Laufen. „Es ist wichtig, dass man reinwächst. Am nächsten Tag sollte man das Gefühl haben: Das will ich sofort wieder machen. Nicht erst einmal zwei Wochen aussetzen.“

Verletzungen vorbeugen

Eine kräftige Muskulatur und eine gute Ausdauer beugen auch Krankheiten und Verletzungen vor. „Ich bin glücklicherweise ziemlich gesund aus dem Profisport ausgestiegen“, erzählt Knauss. Einzig ein alter Knorpelschaden von einem Sturz in Kitzbühel und kleine Rückenverletzungen plagen ihn auch heute noch manchmal. Die hat er sich allerdings nicht im Profisport zugezogen. „Die Rückenbeschwerden kommen vor allem aus einer unvernünftigen Jugend – was wir da für Sprünge gemacht haben, Felsen hinunter und alles. Heute weiß ich es besser“, erinnert er sich. Profisportler gelten als verletzungsanfällig – es gibt aber etwas, was noch gefährlicher ist: Nichts tun. „Bei meinen Reha-Aufenthalten habe ich immer wieder Menschen getroffen, die im Büro arbeiten und einen Bandscheiben-Vorfall hatten. Dabei wollten sie nur eine Bierkiste aus dem Auto heben.“