Ao.Univ.-Prof. Dr.med.univ Peter Pietschmann
Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien

Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, entsteht aus einem Missverhältnis zwischen Knochenab- und –aufbau. Diese Alterserkrankung des Knochens führt zu einer Abnahme der Knochenfestigkeit und damit zu einem erhöhten Risiko für Brüche.

In Österreich gibt es laut Schätzungen der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels rund 740.000 Menschen, die von Osteoporose betroffen sind, davon 600.000 Frauen. Aber nur rund 120.000 werden adäquat behandelt, weil es vor allem am Bewusstsein für die Vorsorge mangelt.

Deutliche Unterdiagnose bei Knochenschwund

Viel zu viele Menschen wissen überhaupt nicht, dass sie an Osteoporose erkrankt sind. Denn oft nimmt man die Krankheit erst wahr, wenn die Knochensubstanz bereits stark abgenommen hat und Knochenbrüche eingetreten sind. Leider werden viele Betroffene, trotz wirksamer, zur Verfügung stehender Medikamente, nicht behandelt. Dabei könnte zum Beispiel die vorsorgende Knochendichtemessung, eine schmerzfreie Röntgenuntersuchung, helfen. Sie ermittelt, ob die Knochendichte zu gering ist und eine eventuelle Osteoporosegefahr besteht. Diese Vorsorgeuntersuchung ist bei niedergelassenen Ärzten gut verfügbar und kann eine rechtzeitige Behandlung ermöglichen.

Risikofaktoren

Mehr als 50 Prozent dieser multifaktoriellen Erkrankung sind genetisch bedingt. Zu den weiteren Risikofaktoren für die Entwicklung einer Osteoporose zählen hormonelle Veränderungen, Umweltfaktoren, Kalzium- und Vitamin-D-Mangel und Rauchen. Knochenschwund stellt auf Grund des erhöhten Frakturrisikos ein Gesundheitsproblem dar, das in seinem Umfang mit Herz-Kreislauferkrankungen oder verschiedenen Krebserkrankungen vergleichbar ist. Die Häufigkeit der Osteoporose ist aber nur ein Grund, warum diese Krankheit nicht unterschätzt werden sollte. Osteoporosebedingte Frakturen führen häufig zu Mobilitätsverlust und Pflegebedürftigkeit, Schmerzen und einer deutlich verminderten Lebensqualität.

Sekundärprävention

Rund 16.000 Oberschenkelhalsbrüche gibt es pro Jahr in Österreich. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist das einer der schlechtesten Werte in der EU. Außerdem fehlt generell das Bewusstsein, nach einem Knochenbruch nicht nur die unfallchirurgische Behandlung in Anspruch zu nehmen, sondern auch an die Sekundärprävention der Osteoporose zu denken. Hier kann man eine Entwicklung beobachten. So beginnen sich in einzelnen Zentren so genannte Fracture Liasion Services zu bilden, welche sich die Nachsorge von Patienten mit Frakturen auch aus Sicht der Osteoporose-Behandlung zur Aufgabe gemacht haben.

Osteoimmunologie

Eine der wichtigsten Fragen in der Osteoporoseforschung ist, wie Knochen und Immunsystem kommunizieren bzw. in welcher Weise Knochenstrukturen angreifbar werden. Das Ziel sind neue Behandlungsansätze für Osteoporosepatienten, die unmittelbar in den Knochenstoffwechsel eingreifen und die Knochenzerstörung stoppen.

Die Knochendichtemessung ist schmerzfrei

Um  bis ins hohe Alter aktiv bleiben zu können, empfielt sich demnach eine gezielte Vorsorge. Untersuchungen wie Knochendichtemessungen werden Frauen ab dem 65. Lebensjahr und Männern ab 70 empfohlen. Dies, ein gesunder Lebensstil und ausreichend Bewegung leisten einen großen Beitrag für ein gesundes Leben.