Mediaplanet sprach mit Prim. Univ.- Prof. Dr. Peter Ritschl, dem Vorstand am Krankenhaus Gersthof über Vorsorge im Bereich der Endoprothetik. Im KH Gersthof werden im Jahr etwa 500 Hüftgelenke sowie 400 Kniegelenke ersetzt. Beide Verfahren sind inzwischen minimal-invasiv implantierbar und höchst erfolgreich in ihrer Funktion.

Die ersten erfolgreichen Endoprothesen- Eingriffe an der Hüfte fanden 1961 in England statt. Damals arbeitete man mit Knochenzement, um die Prothese im Knochen zu verankern. Im darauffolgenden Jahrzehnt konzentrierte sich die Forschung auf neue Designs und Materialien, die erstmals auch eine zementfreie Implantation von Prothesen ermöglichten. In Folge rasanter Weiterentwicklung wurden auch Kniegelenke durch Implantate ersetzt.

 

Eine Frage des Materials

In den 1980er Jahren kamen verbesserte körperverträgliche Materialen auf den Markt. Ein künstliches Hüftgelenk besteht aus einem Schaft, einer Pfanne und einem Kugelkopf. Die Gelenkspfanne besteht wiederum aus zwei Teilen: einer Metallschale, meist aus Titan und einer Einlage aus Polyethylen oder Keramik. Weiterentwicklungen zugunsten der Langlebigkeit der Prothese brachten neue Technologien für die Beschichtungen der Implantatoberflächen. Eine besonders abriebsarme Materials-Kombination ist das sogenannte hochvernetzte Polyethylen in Verbindung mit einem Keramik-Kugelkopf, erklärt Prim. Peter Ritschl.

Der Wechsel auf ein künstliches Hüftgelenk ist heute bereits Routine. „Man braucht keine Angst mehr vor einem Eingriff zu haben. Die Operation dauert selten mehr als eine Stunde und die Heilung geht rasch voran“, so Primarius Peter Ritschl. Das ist auch ein Grund dafür, warum immer mehr Menschen sich dazu entschließen, um wieder aktiv am Leben teilnehmen zu können.

Auch das Knie betreffend gibt es neue Techniken, die den Eingriff selbst, die Heilung und den Alltag des/der PatientIn massiv erleichtern. Die sogenannte „Patient Matched Cutting Block“-Technik macht es mittels Magnetresonanz- oder Computer-Tomographie-Untersuchungen vor der Operation möglich, das zu ersetzende Gelenk zu vermessen und den Sitz der Prothese exakt zu bestimmen. Das Kniegelenk ist also bereits vor dem Eingriff individuell konstruiert. Diese Methode zeichnet sich durch ihre Passgenauigkeit aus, das Gelenk kann unter einer Stunde eingesetzt werden. 

 

Regelmäßige Kontrolle erspart komplizierte Folge-Operationen

Moderne Gelenksimplantate berücksichtigen die gestiegene Lebenserwartung und den höheren Aktivitätsanspruch der PatientInnen in Material und Design. Nicht nur die Materialien, sondern auch die Operationstechniken wurden verbessert. Trotzdem rät Dr. Ritschl seinen PatientInnen, alle 2 Jahre zur Kontrolle zu kommen, auch wenn es keine Anzeichen für Probleme gibt. Abnützungen und freigesetzter Abrieb können nur mittels radiologischer Untersuchung diagnostiziert werden. Wenn das Gelenkimplantat älter als 10 Jahre ist, sollte die Kontrolle einmal jährlich stattfinden. Sind bereits Beschwerden vorhanden, ist es oft schon zu spät: Als Folge können Knochenschäden entstehen, die nur mehr mittels komplexer weiterer Operation behoben werden können. „Diesen Aufwand kann sich der/die PatientIn durch regelmäßige Kontrolle ersparen. Ich appelliere an die Eigenverantwortung der PatientInnen, Ihrer Gesundheit zuliebe!“, schließt Univ.-Professor Ritschl.