Prim. Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Schneider, MSc, MBA
Vorstand der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Herz-Jesu Krankenhaus Wien

Frage: Sind schlaflose Nächte vor einer Gelenkersatz-OP berechtigt?
Antwort: Dank moderner Operationsmethoden und passgenauen Hightech-Gelenken besteht kein Grund zur Sorge.

Zunehmende Schmerzen und Einschränkungen im Alltag, das Gehen fällt schwer, Sport wird unmöglich. In vielen Fällen steht die Lösung fest, ein neues Hüft- oder Kniegelenk muss her. Doch woran liegt es eigentlich, dass Gelenke ausgetauscht werden müssen?

„Dass sich Gelenke abnützen, ist der generelle degenerative Prozess und somit völlig normal“, stellt Doz. Dr. Wolfgang Schneider, Abteilungsvorstand der Orthopädie und orthopädischen Chirurgie am Wiener Herz-Jesu-Krankenhaus, klar. „Die Regenerationsfähigkeit unseres Knorpelgewebes ist sehr beschränkt, das heißt Knorpelverschleiß durch Abnützung oder Sport ist nicht mehr rückgängig zu machen.“


Probleme früh erkennen

Laut dem Experten steigt die Zahl der künstlichen Kniegelenke stark an, mittlerweile werden schon mehr künstliche Kniegelenke als Hüften eingesetzt. Der Grund dafür liegt in der größeren Verletzungsanfälligkeit des Kniegelenks. „Das Knie ist ein viel komplexeres Gelenk als die Hüfte, die aus einer straffen Gelenkkapsel und einem Kugelgelenk besteht. Im Knie fördern etwa Kreuzbandschäden das Risiko für starke Gelenksabnützungen deutlich und erhöhen somit die Wahrscheinlichkeit für ein künstliches Kniegelenk.“ Daher sollten Verletzungen oder Fehlstellungen möglichst früh behandelt werden.


Keine Bedenken dank Hightech-OPs

Mit Hilfe neuer, optimierter und stark verkürzter Operationsmethoden besteht heute kein Grund, sich vor dem Einsetzen eines neuen Hüft- oder Kniegelenks zu fürchten. „In den 1970er Jahren waren das extrem aufwendige Operationen, verbunden mit materialtechnischen Problemen. Von der heutigen Perfektion der Operationsmethoden und der Metalllegierungen war man weit entfernt“, erklärt der Orthopäde. Noch in den 1980er Jahren etwa musste man nach einem neuen Hüftgelenk mit einem Spitalsaufenthalt von einem Monat rechnen. „Heute sind Patienten nach vier bis fünf Tagen wieder mobil genug, um in die gewohnte Umgebung entlassen werden zu können. Bei einer höheren subjektiven Zufriedenheit.“