Frage: Muss ich bei Erkrankungen der Schulter gleich mit einer Operation rechnen?
Antwort: Nein, in vielen Fällen ist eine konservative Behandlung vorzuziehen, eine Operation muss meist nicht sein.

Prim. Dr. Sabine Junk-Jantsch
Leiterin der Abteilung für Orthopädie und Rheumachirurgie

Starke Ruhe- und Bewegungsschmer-´zen sorgen für eine eingeschränkte Beweglichkeit des kompliziertesten Gelenks im Körper, einfachste Alltagshandlungen stellen eine große Herausforderung dar. Wer von Erkrankungen der Schulter betroffen ist, muss sich aber nicht gleich unters Messer begeben, auch wenn die Auswirkungen auf Körper, Geist und Alltag beträchtlich sind. Zahlreiche Erkrankungen der Schulter lassen sich auch konservativ gut behandeln, ohne dass gleich der Austausch des Schultergelenks notwendig oder gar unumgänglich wird.


Kalkschulter -Spontanheilung möglich

„Ein großes Problem, vor allem bei jüngeren Menschen bis zum 60. Lebensjahr, ist die Kalkschulter. Bei dieser Erkrankung bildet sich an der wichtigsten Sehne der Schulter eine Kalkansammlung, vergleichbar mit groben Salzkristallen“, erklärt Prim. Dr. Sabine Junk-Jantsch, Orthopädin im Evangelischen Krankenhaus in Wien. „Tückisch daran ist, dass diese Erkrankung lange Zeit keinerlei Symptome hervorruft. Sobald die Kalkkristalle aber platzen, entsteht ein extremer Schmerz in der Schulter. Meist heilt diese Erkrankung mit Infiltrationen wieder konservativ aus. Sogar eine Spontanheilung ist möglich. Bis zu 90 Prozent der Betroffenen benötigen keine Operation.“ Auch bei einer akuten Schleimbeutelentzündung, die oft aufgrund einer Überbelastung auftritt, reicht es je nach Schwere und Dauer oft aus, die Schulter ruhig zu stellen. Eine chronische Schleimbeutelentzündung wird zusätzlich mit Kältetherapie und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt.
 

Prim. Univ.-Doz. Dr. Thomas Müllner
Vorstand der Abteilungen für Orthopädie und Traumatologie

Sport ist Mord für die Schulter?

„In meinem Berufsalltag komme ich häufiger mit Sportverletzungen in Kontakt“, fügt Prim- Univ.-Doz. Dr. Thomas Müllner, Abteilungsvorstand der Abteilungen für Orthopädie und Traumatologie am Evangelischen Krankenhaus, an. Der Experte sieht Verletzungen als häufige Ursache für Folgeerkrankungen der Schulter. „Die beim Sport häufigen Zerrungen oder Teilverrenkungen etwa wird man immer konservativ behandeln. Bei einer Schulterluxation, sprich einem ausgerenkten Gelenk, haben wir wieder zwei Möglichkeiten: Bei sportlich aktiven jungen Patienten wird man eher einen operativen Eingriff empfehlen, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Schulter ohne Operation wieder herausspringt, sehr hoch ist. Bei Patienten über 45 bis 50 Jahren wird man eher zuerst konservativ behandeln, da in dieser Patientengruppe die Reluxationsrate eher gering ist“,  macht der Orthopäde die Vorgangsweise klar. „Kommt es im Zuge eines Unfalls aber zu Trümmerbrüchen oder anderen schweren Verletzungen, führt kein Weg mehr an einer Operation vorbei.“ Zu extrem betriebener Sport gilt laut beiden Experten als Hauptursache für Schulterprobleme und starke Abnutzungen schon in jungen Jahren. „Doch kein Sport ist auch keine Lösung“, scherzt Prim. Müllner. „Nur einseitig sollte man ihn halt nicht betreiben.“


Degenerative Prozesse häufig schuld

Ein großer Teil der Beschwerden die Schulter betreffend treten aber gerade in unserer immer älter werdenden Gesellschaft als degenerative Prozesse in höherem Alter auf. „Da ist vor allem die Arthrose zu nennen. Wenn man sie früh erwischt und sie sich noch in Grenzen hält, wird man auch mit einer konservativen Behandlung beginnen. Etwa per Physiotherapie oder  mittels einer Spritzenkur zur Gelenksschmierung. Die Erfolgsaussichten sind bei solchen Kuren oftmals recht gut. Meistens führt der Weg bei Arthrose-bedingten Beschwerden aber schon in Richtung einer Operation “, so Dr. Junk-Jantsch. Ein Vorbeugen degenerativer Erkrankungen der Schulter ist laut beiden Experten nur sehr schwer möglich. „In Maßen betriebener Sport und Bewegung im Allgemeinen ist aber sicher nicht verkehrt, um möglichst lange aktiv und beweglich zu bleiben. Bei Leistungssportlern gilt es, einseitiges Training bzw. Belastungen zu vermeiden“, ergänzt Univ. Doz. Dr. Müllner.