Der Knochen passt sich das ganze Leben lang an seinen Gebrauch durch die Muskelarbeit an. Bis um die Mitte des dritten Lebensjahrzehnts erreichen junge Erwachsene die maximale Kochenmasse, den überwiegenden Anteil bis etwa um das 19. Lebensjahr. Nicht nur die Zunahme der Lebensjahre, sondern auch mangelhafte Bewegung führt zum Verlust der Knochendichte und damit zu erhöhter Fragilität. Gleichermaßen nimmt mit zunehmendem Alter die Leistungskraft der Muskeln ab und das Sturzrisiko erhöht sich. Die Gefahr von Frakturen nimmt zu.

Obwohl kaum sichtbar, bewirkt jede Muskelkontraktion eine Verformung des Knochens. Während des Wachstums reagiert die Knochenneubildung und -formung auf körperliche Aktivitäten wesentlich ausgeprägter als in späteren Lebensphasen – durch regelmäßiges Training wird diese maßgeblich positiv beeinflusst.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Preisinger
Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, KH Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Wien

Die Forschung hat derweil noch nicht geklärt, ob eine hohe maximale Knochendichte im jungen Alter auch eine bessere Knochenqualität im Alter garantiert. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass junge Erwachsene mit einer hohen maximalen Knochendichte längere Zeit eine deutlich bessere Knochenqualität aufweisen.

Sturzgefahr und Frakturen mindern

Auch im Alter sorgen Übungs- und Trainingsprogramme für Senioren für eine Reduktion sowohl der Osteoporose-, wie auch der Sturzgefahr. Denn nebst der schwindenden Knochenstärke ist bei Senioren insbesondere der Sturz für osteoporosebedingte Frakturen verantwortlich. Krafttraining wie progressives Widerstrandstraining für die Beinmuskulatur, Balanceübungen und Tai-Chi reduzieren nachweislich das Sturzrisiko von Senioren. Von Übungen oder Sportarten mit forcierter Rumpfbeugung sollte jedoch abgesehen werden, denn diese erhöhen das Wirbelfraktionsrisiko bei Osteoporosepatienten. Bei manifester Osteoporose sollte zumindest der Beginn des Trainings- oder Aufbauprogramms unter fachkundiger Aufsicht geschehen.

Generell gilt, dass es durch jegliche Immobilisierung, sei etwa durch längere Bettruhe nach einem Sturz oder durch chronische Rückenschmerzen, zur Muskelatrophie kommt. Die mangelnde Muskelarbeit gegen die Schwerkraft führt zu einem gravierenden Verlust an Knochenmasse.

Gerade bei einem Einbruch bedingt durch Osteoporose ist es wichtig, frühzeitig wieder mit der Mobilisierung zu beginnen, um das Risiko von weiteren Einbrüchen zu verringern.

Verhaltensmuster durchbrechen

Zur den gravierendsten Manifestationen von Osteoporose zählen Wirbeleinbrüche der Brust- und Lendenwirbel. Die Folgen sind häufig akute und chronische Schmerzen, ein vielfach erhöhtes Risiko für weitere osteoporosebedingte Frakturen, eine Verformung der Brust- und Lendenwirbelsäule, eine meist überstreckte Halswirbelsäule, ein Verlust an Körpergrösse und eine Reduktion der Vitalkapazität. Die Betroffenen werden oft aufgrund von Schmerzen und körperlichen Einschränkungen inaktiver und ziehen sich von sozialen Kontakten zurück. Gerade dort ist es wichtig, die Verhaltensmuster zu durchbrechen und es mittels diagnostischer Abklärung und rehabilitativer Therapie dem Patienten zu ermöglichen, seine Mobilität, die Unabhängigkeit von fremder Hilfe und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern.

Zur wichtigsten Empfehlung für gesunde Knochen gehört die Erhaltung eines normalen Körpergewichts mit einem Body-Mass-Index von mindestens 20 kg/m2. Gefahren des Knochenabbaus drohen zudem bei einseitiger Ernährung mit zu geringer Protein-, Kalzium- oder Kalorienzufuhr. Eine ausgewogene Mischkost sollte ausreichend Eiweiß, Mineralstoffe, Vitamine, Fette und Kohlenhydrate beinhalten. Bei Osteoporosepatienten ist eine ausreichende, tägliche Kalziumzufuhr mit einer Supplementierung von Vitamin D Basis jeglicher Therapie.