Prim. Dr. Werner Anderl
Vorstand Orthopädische Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien

Frage: Gibt es die Möglichkeit, ein abgenütztes Schultergelenk zu ersetzen?
Antwort: Natürlich! Maßgeschneiderte Gelenke geben die volle Bewegungsfreiheit zurück.

„Die Bedeutung der Schulter ist für uns Menschen enorm“, erklärt Prim. Dr. Werner Anderl, Leiter der Orthopädischen Abteilung im Krankenhaus Barmherzige Schwestern in Wien. „Sie ist das beweglichste Gelenk unseres Körpers. Diese Beweglichkeit ergibt sich durch die Führung des Gelenks mittels verschiedener Bandverstärkungen, Sehnen und Muskeln. Es ist nicht so knöchern geführt wie etwa die Hüfte.“


Maßgeschneiderte Hightech-Gelenke

Durch ihre enorme Beweglichkeit und den sehr häufigen Gebrauch der Schulter treten im mittleren bis höheren Alter oft starke Abnutzungserscheinungen auf, die sich durch Belastungs- und Ruheschmerzen äußern. Abhilfe kann die Implantation eines künstlichen Schultergelenks schaffen. „Früher waren künstliche Schultergelenke in der Beweglichkeit oft eingeschränkt. Heutige Hightech-Gelenke können bereits voll anatomisch entwickelt werden“,  wie der Orthopäde anmerkt.


Besser früher als zu spät

Laut Dr. Anderl sollten betroffene Patienten früher zum Arzt gehen als sie es in der Regel tun. Bestimmte Bewegungseinschränkungen werden häufig akzeptiert, erst bei unerträglichen Schmerzen wird ein Orthopäde aufgesucht. Dann sind beim Röntgen schon deutliche Abnutzungen zu erkennen. „Durch den enormen Fortschritt in der Endoprothetik operieren wir heute eher früher als später. Weil wir wissen, dass die Muskulatur recht schnell verkümmert, wenn der Patient mit den Einschränkungen lebt. Nach dem Einsetzen eines neuen Gelenks zu einem späten Zeitpunkt ist sozusagen der Motor des Gelenks bereits kaputt. Die in die Operation gesetzten Erwartungen können oft nicht erfüllt werden.“

 

Kurzer Spitalaufenthalt

Bei jüngeren Patienten kann endoskopisch der Großteil des Oberarmkopfs ersetzt werden, ohne Muskeln und Sehnen zu durchtrennen. Der Patient kann bereits am nächsten Tag das Spital wieder verlassen und die Schulter voll bewegen. Bei starker Abnützung wird ein neuer Oberarmkopf notwendig, ein stationärer Aufenthalt von vier Tagen ist die Folge. Jährlich wird eine solche Operation bei etwa 1000 Patienten durchgeführt, die Erleichterung für Betroffene ist meist enorm.