Die Hand – unser wichtigstes Werkzeug

Was wären wir nur ohne unsere Hände. Selbst einfachste Tätigkeiten des Alltags wären nicht mehr möglich, die Hand ist unser wichtigstes Werkzeug. Sie besteht aus 27 einzelnen Knochen und 33 Muskeln. Im  Laufe unseres Lebens beugen wir jeden Finger etwa 25 Millionen Mal.

Unsere Hände sind Präzisionswerkzeuge, doch meist schenken wir ihnen zu wenig Aufmerksamkeit und gehen unachtsam mit ihnen um. „Handverletzungen machen über 35 Prozent aller Verletzungen des menschlichen Körpers aus. So gesehen ist die Hand ein sehr großes unfallchirurgisches Thema“, erklärt Prim. Dr. Andreas Pachucki, Leiter der Unfallchirurgie am Landesklinikum Amstetten. „Erstens verwenden wir unsere Hände bei jedem Sturz als Auffanginstrumente zum Abstützen im Fallgeschehen und zweitens besteht in vielen Berufen ein großes Risiko für Handverletzungen, schon durch das häufige Hantieren mit Maschinen.“

Prim. Dr. Andreas Pachucki
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie, Klinikum Mostviertel/Unfallchirurgie und Sporttraumatologie

Aufgrund der Wichtigkeit unserer Hände ist eine eingeschränkte Nutzbarkeit durch Verletzungen und Krankheiten natürlich besonders störend und stellt ein großes Handicap für jeden Menschen dar.

Morbus Dupuytren – wenn Finger sich krümmen

Neben Arthritis, einer entzündlich-rheumatischen Gelenkserkrankung oder der degenerativen Arthrose stellt Morbus Dupuytren eine besonders häufige, aber großteils unbekannte Form der Nutzungseinschränkung unserer Hände dar.

Bei betroffenen Patienten kommt es durch die Dupuytrensche Krankheit zu einer Knotenbildung im Bereich der Handinnenfläche. Allmählich, meist im Lauf von Jahren, entwickelt sich daraus ein Strang, der von der Handfläche hin zum betroffenen Finger wächst und zu einer Verkrümmung einzelner Finger führt. „Etwa drei Prozent der Weltbevölkerung ist von dieser Krankheit betroffen, aufgrund der Unterschiede besteht ein starkes Nord-Süd-Gefälle. In Europa tritt diese Krankheit am häufigsten im Skandinavischen Raum und in Schottland auf, mit deutlicher Abnahme in Richtung Süden. Am afrikanischen Kontinent und in Asien sind lediglich Einzelfälle bekannt.“, sagt der Experte.

Bei Männern tritt diese erblich bedingte Krankheit bis zu fünf Mal häufiger auf als bei Frauen, meist ab einem Alter von über 50 Jahren. Die beginnende Knotenbildung in der Handfläche wird vom Großteil der Betroffenen ignoriert, die Krankheit daher meist spät erkannt. „Erst ab einer Beugestellung der Finger von 30 Grad und mehr geht der Patient zum Arzt, da dann bereits eine Funktionsstörung der Hand vorliegt.“, meint Prim. Dr. Pachucki.

Operieren – Nicht immer notwendig

„Zu frühes Operieren macht ohnehin keinen Sinn, weil man auch mit einer Operation den Patienten nicht dauerhaft von seiner Erkrankung befreien kann, sondern lediglich die Strangbildung beseitigt. Ein Wiederkehren der Erkrankung ist sehr wahrscheinlich.“ In frühen Stadien der Krankheit, meist noch vor einer beginnenden Kontraktur, können die Dupuytren-Stränge auch mit der sogenannten Nadelfasziotomie behandelt werden. Bei der Nadelfasziotomie werden die Faserstränge mittels Nadelstichen so weit geschwächt, dass sie manuell gestreckt und zerrissen werden können.

Eine weitere nicht-operative Option ist die Behandlung mittels Kollagenase. Dabei wird ein Enzym an den betroffenen Stellen eingespritzt, um die Dupuytren-Stränge zu schwächen und durch eine anschließende passive Streckung die Beweglichkeit der betroffenen Finger wieder herzustellen.

Achten Sie auf Ihre Hände

Die Hände sind die wichtigsten „Werkzeuge“ unseres Körpers und viel zu oft Opfer von Unfällen. Auch Krankheiten können die Nutzung unserer Hände massiv einschränken und uns unser Leben schwer machen, die meisten Krankheiten sind jedoch gut behandelbar. Morbus Dupuytren wird häufig viel zu lange ignoriert, kann bei frühzeitiger Diagnose jedoch erfolgreich behandelt werden, auch wenn ein Wiederauftreten nicht ausgeschlossen werden kann.