Univ. Prof. Dr. Hans Tilscher
Präsident der Gesundheitsaktion SOS-Körper

Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit Nummer eins. Es gibt kaum jemanden, der nicht schon mindestens einmal Beschwerden dieser Art hatte. „Wobei der Begriff Rückenschmerzen schlichtweg ein unrichtiger ist, weil da einige Bereiche fälschlicherweise in einen Topf geworfen werden“, klärt Univ. Prof. Dr. Hans Tilscher, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, auf.

„Der Rücken ist dort, wo der Rucksack sitzt. Damit ist also die Brustwirbelsäule gemeint. Viel häufiger kommt aber der tiefe Rückenschmerz auf Höhe der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins vor. Als Überbegriff gefällt mir da der Begriff Kreuzschmerzen deutlich besser. Der oft genannte Rückenschmerz ist eigentlich ein Kreuzschmerz!“

Mangelnde Bewegung fördert Kreuzschmerzen

Um die Ursachen für das weit verbreitete Leiden der Kreuzschmerzen zu verstehen, sollten wir uns laut Prof. Tilscher zuerst die Geschichte der Menschheit etwas genauer ansehen. „Der Körper ist ja zum größten Teil Bewegungsapparat. Als man ungefähr im Jahr 9000 vor Christus mit dem Getreideanbau begann, konnte man große Bevölkerungsgruppen ernähren, körperlich anstrengendes Jagen verlor an Bedeutung.

Damit war der Grundstein für die Stadtentwicklung, aber auch für die Kreuzschmerzen gelegt “, erklärt der Experte. Einen Hauptgrund für die weite Verbreitung der Kreuzschmerzen sieht der Orthopäde auch in der Schule. Laut Prof. Tilscher wird auf geistige Ausbildung großen Wert gelegt, der natürliche Bewegungsdrang kleiner Kinder aber im Keim erstickt. Ruhig sitzen wird zum Alltag, die notwendige Bewegung bleibt dabei auf der Strecke.

Die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen

„Dieser statische Missbrauch der Wirbelsäule, sprich die mangelnde Bewegung, führt zur Verkümmerung der Muskulatur, der Wirbelsäule fehlt die Stabilität. Da haben wir bereits die erste Schmerzursache gefunden“, stellt der Orthopäde klar. „Das zweite große Thema ist der dynamische Missbrauch der Wirbelsäule. Verursacht durch ungesunde Bewegungsabläufe und Haltungen am Arbeitsplatz, aber auch beim Sport. Der dritte Faktor, besonders die Halswirbelsäule betreffend, ist die Seele. Der Bewegungsapparat hat auch die Aufgabe, seelische Konflikte zu demonstrieren. Die äußern sich häufig in Verspannungen des Nacken- und Schulterbereichs.“

Kreuzschmerzen vorbeugen statt nachsorgen

Doch was kann ich tun, um Kreuzschmerzen vorzubeugen oder zu lindern, wenn ich sie schon habe? Beginnen sollte man laut Prof. Tilscher in der Regel mit Bewegung. Das muss kein Sport sein, wichtig ist nur, sich ausreichend körperlich zu betätigen. Flott spazieren gehen, Turnübungen zur Kräftigung der Rückenmuskulatur oder heilgymnastische Übungen können schon große Linderung schaffen. Der richtigen Haltung sollte man auch etwas Aufmerksamkeit schenken.

„Nur die Brust rausstrecken ist zu wenig“, lacht der Experte. Und erklärt, wie man es richtig macht: „Die richtige Haltung ist die, die beim aufrechten Stehen am wenigsten Energie braucht. Das Hinterhaupt sollte der höchste Punkt des Körpers sein. Durch Vordrehen der Hände ziehen sich die Schultern zurück und mit dem Anspannen von Bauch und Gesäß erreicht man die richtige Haltung.“

Wer neben einer richtigen und gesunden Haltung und ausreichend Bewegung auch auf gutes Schuhwerk und eine hochwertige Matratze für erholsamen Schlaf achtet, tut seinem Rücken und seiner Wirbelsäule etwas Gutes und hilft aktiv mit, lästige Kreuzschmerzen zu vermeiden.