Lina liegt vorne. Der Fahrtwind treibt ihr Tränen in die Augen, sie tritt in die Pedale, um ihren Vorsprung auszubauen. Die 16-jährige macht einen Radausflug mit ihren Freunden. Noch vor einem Jahr wäre das undenkbar gewesen.

Damals teilte ihr der Facharzt für Orthopädie Dr. Stefan Nehrer mit, dass ihre Knieschmerzen von einem „cortisoin duzierten Knorpeldefekt“ rühren. Der Knorpel hatte sich durch eine Cortisontherapie vom Knochen gelöst.

Der Arzt meint: „So etwas kann passieren. Wenn eine Arthrose durch eine andere Krankheit hervorgerufen wurde, sind die Symptome dieselben. Nur die Ursache unterscheidet sich.“ Bei den meisten Patienten des Arztes liegt der Grund für die Beschwerden in einer Abnutzung der Gelenke aufgrund übermäßiger Belastung wie bei Übergewicht, unfallbedingten oder angeborenen Ursachen wie Fehlstellungen der Gelenke.

Arthrose bleibt oft unbemerkt

Und meist sind die Betroffenen bereits älter als Lina. „Mit 70 Jahren hat jeder 7. bereits in irgendeinem Gelenk Arthrose. Mit 80 Jahren sprechen wir dann schon von beinahe 100%.“ so Dr. Nehrer. Doch nicht alle leiden an Symptomen. „Sobald der Schmerz auftritt, ist der Gelenkverschleiß schon im letzten Stadium des Prozesses.“

Der Krankheitsbeginn bleibt oft unbemerkt. Im Inneren eines Knorpels wird durch langsame Bewegungen Gelenkschmiere erzeugt, die sich um diesen legt und ihn schützt. Schnelle, ruckartige Bewegungen brauchen dieses Gleitmittel hingegen auf. Wenn durch starke Beanspruchung Risse im Knorpel entstehen, versucht das Gelenk diese Zone zu entlasten.

Die Folge ist eine ungleichmäßige Druckbelastung, durch die die Knorpelschicht abgerieben werden kann. Geht der Schaden bis auf den Knochen, spricht man von einer Arthrose. Erst wenn daraufhin eine Entzündungsreaktion folgt, schmerzt das Gelenk. Fragt man den Chirurgen nach vorbeugenden Maßnahmen, klingen sie denkbar einfach: Normalgewicht halten und Bewegung machen. „Aus Schongründen auf Sport zu verzichten ist ein Fehler, der Knorpel lebt von der Belastung!“

Vor allem langsame Bewegungen, wie sie bei Qi Gong, dem Schwimmen oder Physiotherapie gemacht werden, stärken das Gelenk, dessen umliegende Muskeln dabei trainiert werden. Die dadurch gut koordinierte Muskelspannung sichert das Gelenk zusätzlich.

Umfangreiche Therapiemöglichkeiten

Wenn die Diagnose „Arthrose“ jedoch gestellt ist, gilt es das Gelenk vor weiteren Schäden zu schützen. Medikamente können den Schmerz reduzieren und Entzündungen hemmen. Die Palette reicht von knorpelunterstützenden Nahrungsergänzungsmitteln wie Glucosamin bis zu den körpereigenen Stoffen wie Hyaluronsäure oder Collagen.

Es sind die Bausteine, die oral eingenommen werden können und den Knorpel dabei unterstützen sich zu erholen und den Status Quo zu erhalten, ohne dass er weiter abgebaut wird. Im Bereich der physikalischen Therapie können Physiotherapie, Wärmetherapie in Form von Fango-Bädern oder Sitzerhöhungen zu Schmerzlinderung führen. Wenn der Knorpel sich jedoch in Teilen oder zur Gänze bereits vom Knochen gelöst hat, helfen nur noch operative Eingriffe. Auch für Lina gab es keine Alternative.

Ihr wurde der Knorpel vollständig entfernt und das Gelenk durch ein künstliches ersetzt. Das ist zwar nicht dasselbe wie ein körpereigenes Gelenk mit intaktem Knorpel – zu einem gewonnenen Fahrradrennen reicht es aber allemal.