Dr. Karl-Heinz Kristen
Facharzt für Sportorthopädie, Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Vizepräsident der GOTS

Sport ist unser wichtigstes Medikament

„Unser Körper braucht Bewegung! Dazu sind wir von der Evolution geschaffen.“, erklärt Dr. Karl-Heinz Kristen, der Sportmediziner des Jahres 2012. „Bewegung und Sport kann man in ihrer Wirkungsweise etwa wie Vitamine betrachten. In der richtigen Dosis halten sie uns fit und gesund. Natürlich kann es auch ein Zuviel an Bewegung geben. Zu intensive sportliche Betätigung führt meist zu Überlastungsproblemen. Doch das größere Übel in unserer zunehmend automatisierten und motorisierten Welt ist der Mangel an einfacher Bewegung, der die Ausbreitung von Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Osteoporose begünstigt.“, erklärt der Experte.

Laut Dr. Kristen fungiert Sport als unser wichtigstes Medikament, um diese Krankheiten zu bekämpfen und teilweise auch zu verhindern.

Extremsport als Pionierleistung

Doch Sport ist nicht gleich Sport. „Der Begriff Extremsport hat sich in den letzten 50 Jahren stark gewandelt. Damals galt etwa ein Marathonlauf als Extremsport, mittlerweile ist daraus Breitensport geworden, den fast jeder machen kann. Mit konsequentem Training und kompetenter Beratung in Sachen Equipment und Lauftechnik ist das heute kein Problem mehr.“, meint Dr. Kristen. Den wirklichen Extremsport nach heutigen Maßstäben sieht er überall dort, wo es an die Grenzen des körperlich Machbaren geht. Dort steigt dann auch das Risiko von gesundheitlicher Gefährdung, oder gar Verletzungen,  stark an.

Der Vizepräsident der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) sieht in Extremsportlern engagierte Pioniere, die durch ihre Vorstöße in unbekannte Bereiche körperlicher Betätigung oftmals auch neue Breitensportarten entdecken und für Hobbysportler salonfähig machen. „Dort kommt dann auch meine Zuständigkeit als Sportarzt wieder zum Tragen. Wenn ich während der Betreuung von Extremsportlern merke, dass es bei bestimmten Sportarten gehäuft zu Verletzungen kommt, muss ich dem Sportler helfend und beratend zur Seiten stehen, um diese Verletzungen möglichst zu vermeiden.“

Bewegung im Alltag

Es muss aber nicht immer Sport sein, mindestens ebenso wichtig für Jung und Alt ist die regelmäßige Bewegung im Alltag. Wer regelmäßig die Treppe nimmt, statt den Lift zu benutzen oder so manche Strecke mit dem Rad fährt, statt das Auto zu nehmen, tut seinem Körper etwas Gutes und bleibt gesund. Ganz ohne Sport im eigentlichen Sinn machen zu müssen.