Univ. Prof. Dr. Preisinger
Institutsvorständin für Physikalische Medizin am Krankenhaus Hietzing

Osteoporose ist eine schleichende Krankheit, die oft erst wahrgenommen wird, wenn die Knochen einer durchschnittlichen Belastung nicht mehr standhalten – und brechen. Das passiert, wenn die Knochensubstanz stark abgenommen hat und die –struktur bereits porös ist. Doch es gibt Faktoren, die über den Auf- und Abbau der Knochenmasse und –qualität entscheiden.

Univ. Prof. Dr. Elisabeth Preisinger, Institutsvorständin für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Krankenhaus Hietzing, ist der Meinung, es sei besonders wichtig den Körper in Bewegung zu halten. „Studien der Weltraumforschung haben diesen Zusammenhang eindeutig bewiesen.“ sagt die Expertin.

„Der Osteoporoseprozess von Astronauten in Schwerelosigkeit verhält sich ebenso wie jener älterer Menschen, nur ungleich schneller.“ Ohne Belastung nimmt die Dichte der tragenden Knochen um ein bis zwei Prozent pro Monat ab.

Dieser Umstand, gepaart mit dem Schwund an Muskelmasse, führte dazu, dass einige Astronauten nach Monaten im All zurück auf der Erde nur noch gestützt gehen konnten. Mit Hilfe eines entsprechenden Trainings konnte die Muskelmasse zwar innerhalb von drei Monaten wieder aufgebaut werden, die Knochensubstanz brauchte dazu jedoch etwa ein Jahr.

Daraufhin durchgeführte Studien zeigten, dass dynamisches Muskelaufbautraining wie Krafttraining und Sprungsportarten Knochenschwund vorbeugt. Für die Erhaltung der Selbstständigkeit ist es vor allem mit zunehmendem Alter wichtig Alltagsaktivitäten wie spazieren, einkaufen gehen oder kochen beizubehalten. 

 

"Der Osteoporoseverlauf bei Astronauten ist wie bei älteren Menschen. Nur schneller."

 

 

Bewegung und Ernährung sind die Schlüsselfaktoren

Doch was können wir darüber hinaus tun, um unsere Knochen stabil zu erhalten? „Ob und wann jemand an Osteoporose erkrankt, hängt neben Erbfaktoren auch davon ab, wie man sich seit der Kindheit bewegt und ernährt.“ sagt Dr. Preisinger.

Wichtig sei das Halten des Normalgewichts mit ausreichender Zufuhr von Calcium, Vitamin D und vor allem im Alter Eiweiß. Auch eine rechtzeitige Diagnose und Therapie schütze vor Knochenbrüchen.

Etwas schwierig ist es, ausreichend Vitamin D, das den Knochenaufbau fördert, zu erhalten. „Von Oktober bis März ist die Sonne in unseren Breitengraden einfach zu schwach für eine ausreichende Versorgung.“ meint die Expertin.

„Vor allem im Winter ist es deshalb wichtig, täglich eine halbe Stunde im Freien zu verbringen.“ Das Hormon – dessen Bezeichnung als Vitamin eigentlich irreführend ist – entsteht durch die Aufnahme von UV-Strahlen, wird in der Haut erzeugt und in Leber und Niere in die aktive Form umgewandelt. Aktuelle Studien berichten von einer Unterversorgung mit Vitamin D von 65–80% der nordamerikanischen Bevölkerung.

Dieselben Werte gelten laut Experten für Mitteleuropa. Das Risiko an Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, zu erkranken, wächst aufgrund der steigenden Lebenserwartung stetig. In Österreich leiden 700.000 Menschen an der Krankheit – nach Schätzungen sind das jede dritte Frau und jeder sechste Mann. Wer rechtzeitig vorsorgt, kann einer langen, aktiven Zeit selbst im hohen Alter entgegenblicken.