Wer bereits als Kleinkind in Kuhställen unterwegs war, unpasteurisierte Milch getrunken oder in der Erde gewühlt hat, ist weniger anfällig für Allergien und Asthma. Dieses Mysterium ist derart verbreitet, dass kaum noch unterschieden werden kann, ob es sich um eine Binsenweisheit oder ein medizinisches Faktum handelt. Tatsächlich haben Forscher der Arbeitsgruppe Harald Renz kürzlich herausgefunden, dass das in Kuhställen vorkommende Bakterium »Acinetobacter Iwoffii« die Entwicklung von Asthma bronchiale verhindern kann. Die Atemwegserkrankung, die verkürzt oft einfach »Asthma« genannt wird, ist die häufigste chronische Krankheit unter Kindern. Weltweit leiden laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 235 Millionen Menschen daran.

Geheilt werden kann sie nicht, man kann jedoch lernen damit zu leben und Vorkehrungen treffen, um sie nicht zu entwickeln. In Maus-Experimenten waren diejenigen Jungtiere vor Asthma geschützt, deren Muttertiere Kontakt mit dem Acinetobacter- Bakterium hatten. Über die genetische Erbinformation konnte die Folgegeneration einen körpereigenen Schutz aufbauen. Der Leiter des Allergieambulatoriums Floridsdorf, Univ. Doz. Dr. Wantke, schränkt jedoch ein: „Diese Ergebnisse sind wissenschaftliche Beobachtungen, die derzeit in die Praxis noch nicht umsetzbar sind. Einen Raumspray angereichert mit Acinetobacter haben wir noch nicht.“ 

 

Warum pure Natur so gut tut

Die derzeit empfohlene Strategie, um eine erhöhte Toleranz zu allergieauslösenden Stoffen zu erzeugen, ist frühzeitiger Kontakt des Kleinkinds mit möglichst viel Natur – nicht nur beim Spielen, auch beim Essen. „Derzeit legt man Eltern nahe ab dem 4. Lebensmonat zum Stillen dazu zu füttern. Wir vermuten, dass damit das Auftreten einer Lebensmittelallergie am ehesten vermindert werden kann, “ sagt der Experte. Denn in 70% der Fälle sind Allergien die Ursache von Asthma bronchiale. Dabei handelt es sich um für den menschlichen Körper harmlose Substanzen, die vom Immunsystem als Gefahr identifiziert und bekämpft werden. Die beiden Krankheitsbilder treten unterschiedlich auf. Während allergische Symptome von Schnupfen, Hautjucken oder Durchfall reichen können, sind es bei Asthma Husten und Atemnot. Die Hyperreaktivität der Bronchien bei Asthma muss jedoch nicht von Allergenen stammen. Auch Luftschadstoffe, virale Infekte, Anstrengung, kalte Luft oder Ozon können zu nicht-allergischem Asthma führen.

 

Was bei allergischem Asthma wirklich hilft

Sofortige Abhilfe schafft eine Inhalationstherapie, die die Symptome bekämpft. Im Rahmen dieser werden zwei Wirkgruppen unterschieden. »Controller« wie Kortikosteroide unterbinden Entzündungen, »Reliever« erleichtern das Atmen, indem sie die Bronchien erweitern. Die Stoffe werden so hoch dosiert, dass der Patient Asthmakontrolle erreicht und ein beschwerdefreies Leben führen kann. Bei schwerem allergischen Asthma helfen auch moderne Therapieformen, wie Antikörper. „Es kann auch vorkommen, dass sich die Krankheit im Laufe des Erwachsenwerdens legt. Das freut dann natürlich nicht nur den Patienten, sondern auch den behandelnden Arzt, wenn die Selbstheilungskräfte so aktiv sind, “ meint Dr. Wantke. Am besten schütze jedoch aktive Vorbeugung durch einen gesunden Lebensstil mit viel frischer Luft.